Rafting in den Rockies – Jasper National Park

Rafting in den Rockies – Jasper National Park

Dieser Post ist Teil der Serie Rocky Mountains: Jasper und Banff & Yoho National Parks
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Für heute steht die zweite Etappe in Richtung Rocky Mountains auf dem Programm. Im Jasper National Park wartet für mich das Highlight der gesamten Reise: Eine Rafting-Tour auf dem Athabasca River.

Ab nach Jasper

Bis Jasper wollen aber noch gut 300 Kilometer absolviert werden. Leider haben wir heute auch zum ersten und einzigen Mal etwas Zeitdruck, weil wir um spätestens 13:30 am Abholpunkt für unsere Rafting-Tour sein müssen. Zwischendurch passieren wir die Grenze zwischen den Provinzen British Columbia und Alberta und damit auch die Grenze zur Mountain Time Zone. Wir müssen also auf dem Weg nach Osten die Uhr eine Stunde vor stellen. Deswegen sitzen wir heute schon um kurz nach 8 Uhr im Auto.

Bis Tête Jaune Cache geht es ohne Zwischenstopp weiter über den Southern Yellowhead Highway. Es hat über Nacht geregnet und Wolken und Nebel hängen tief in den Tälern. Kurz danach erreichen wir auf dem jetzt zweispurigen Highway die Hauptkette der Rocky Mountains. Ich bereue ein wenig, dass wir hier keine Zeit für einen Stopp haben. Vor uns ragt nämlich Mount Robson, der höchste Gipfel der kanadischen Rockies auf. Obwohl wir heute nur einen Bruchteil des 4000 Meter hohen Gipfels unterhalb der Wolken zu sehen bekommen erschlägt uns die massive Südflanke des Berges fast. Wer mehr Zeit hat als wir, der findet im Mount Robson Provincial Park reichlich Seen und Wanderwege, die trotz der beeindruckenden Landschaft kaum besucht sind. Als Provincial Park hat man es eben schwer, gegen den großen Nachbarn Jasper im Osten anzukommen.

Welcome to Jasper National Park – Bienvenue au Parc National du Jasper

Auf den letzten 100 Kilometern vor Jasper wechseln sich karge Gipfel, Tannenwälder und blaue Seen am Straßenrand ab. Am Yellowhead Pass überqueren wir die Grenze nach Alberta. Als kurz danach die Eingangsstation zum Nationalpark in Sicht kommt, reißt auch die Wolkendecke auf und die Sonne begrüßt uns. Perfektes Timing 🙂

NP Pass
Die Eintrittskarte zu den Wundern von 44 Nationalparks

Die Formalia in kanadischen Parks sind etwas anders als in den USA: Der Highway führt mitten durch den Park, wer nicht abbiegen oder anhalten will kann ohne Eintritt weiterfahren. Wir haben unseren Jahrespass schon vorab bestellt und nach Deutschland schicken lassen. Wegen des Jubiläums der kanadischen Parks ist er sogar zwei volle Jahre gültig. Wir werden am Kontrollhäuschen also einfach durchgewunken. Alle Fans von Parkeingangs-Schildern, wie man sie aus den USA kennt, werden in Kanada leider enttäuscht: Begrüßt wird man von einem ganz profanen Metallwegweiser, immerhin sowohl in Englisch als auch Französisch. Da die Nationalparks von der kanadischen Bundesregierung betrieben werden, sind hier alle Schilder zweisprachig, obwohl Französisch in British Columbia und Alberta nicht einmal Schulfach ist.

Das dreieinhalbtausend Einwohner starke Städtchen Jasper im Zentrum des Parks erreichen wir kurz vor 13 Uhr. Für mehr als einen kurzen Spaziergang entlang der Hauptstraße und einen kurzen Blick ins Visitor Center bleibt vorerst aber keine Zeit. Das Visitor Center kann leider nicht mit den Einrichtungen US-amerikanischer Parks mithalten. Außer einer Infotheke, jeder Menge Aushänge zu aktuellen Wetter- und Wanderbedingungen und den neuesten Bärenwarnungen gibt es nur den obligatorischen Souvenirladen.

Rafting auf dem Athabasca River

Zum eigentlichen Zweck des Tages. Ich habe schon im Juni entdeckt, dass es in Jasper einige Anbieter von Rafting-Touren gibt und die Gunst der Stunde genutzt. Zwar gibt es auch in Leipzig einen künstlich angelegten Kanupark, aber mit der urwüchsigen Natur Kanadas als Bühne kann der natürlich nicht mithalten.

Meine Wahl fiel auf Maligne Rafting, die Touren auf dem Fraser River in der Nähe des Mount Robson, dem Sunwapta River und dem Athabasca River anbieten. Die erste Tour lag streckentechnisch ungünstig, die zweite ist leider wegen des Wasserstands im Fluss nur bis Mitte August buchbar. Aber insgesamt sah die Tour auf dem Athabasca am besten aus, auch wenn der Schwierigkeitsgrad gerne ein paar Stufen höher hätte liegen dürfen.

Nach Ankunft am Startpunkt an der Hauptstraße in Jasper gibt es zunächst eine kurze allgemeine Einführung. Dann brechen wir mit insgesamt 15 Teilnehmern und drei Guides im Bus zu den Athabasca Falls auf. Der Weg dorthin bietet schon einen beeindruckenden ersten Blick auf die Landschaft des Icefields Parkway, der nach Süden bis Banff führt. Aber dazu in zwei Tagen.

Unser Einstieg ist direkt unterhalb der Athabasca Falls, dementsprechend haben wir reichlich Publikum. Wir sind, wie empfohlen, schon mit Badehose vor Ort und bekommen je einen Neoprenanzug plus Jacke und Schwimmweste.  Levi, unser Guide, verteilt uns auf drei Boote und erklärt uns die wichtigsten Kommandos, außerdem wie wir uns verhalten sollen, falls jemand über Bord geht. Dann tragen wir die Boote ins Wasser und es geht los. Unser Boot teilen wir uns mit Steven aus Edmonton, seiner Frau und ihren zwei Kindern.

Zum Start passieren wir direkt eine Reihe Stromschnellen, können direkt die gerade gelernten Kommandos zum Einsatz bringen und werden ordentlich nass. Danach wechseln sich immer wieder ruhigere und rauhe Passagen ab. Levi, der das Boot vom Heck aus steuert, gibt uns jede Menge Infos zu den umliegenden Bergen und Wäldern mit auf den Weg. Apropos Wälder: In alle Richtungen nur Wald. Nadelwald, dazwischen ein paar Espen, soweit das Auge reicht. Dahinter kahle Gipfel und Gletscher. Ein echter Traum. Auf dem türkisblauen Fluss passieren wir mehrere kleine Inseln, von denen Steven direkt eine in Besitz nimmt und nach sich benennt. Levi zeigt uns auch einen kleinen Strand, an dem Pierre Elliott Trudeau, der ehemalige und Vater des heutigen Premierministers in den 70er Jahren bei Champagner und Lachs pausiert hat, als er den Athabasca per Kanu entlang fuhr.

Wir sind insgesamt fast zwei Stunden unterwegs, die Landschaft und das Paddeln werden dabei nie langweilig. Der Einzige Wermutstropfen: Wir sehen leider keine Tiere am Ufer. An guten Tagen hat man entlang des Flusses gute Chancen, Hirsche und Bären zu beobachten. Unseren Ausstiegspunkt erreichen wir 5 Kilometer südlich von Jasper, ziehen uns im Bus um und es geht zurück.

Mein Fazit: So nah wie auf dem Fluss inmitten der Wildnis kommt man dem Nationalpark sonst nirgends. Die 84 $ sind für gut zwei Stunden auf dem Wasser plus An- und Abreise sowie Ausrüstung mehr als gut angelegt. Alleine von den Tipps unseres Guides Levi können wir noch ein paar Tage zehren. Der Schwierigkeitsgrad auf unserer Tour war sehr moderat und ist auch für Familien mit Kindern im Grundschulalter gut zu bewältigen. Ein besonderes Maß an Fitness ist auch nicht nötig.

Jasper und Umgebung

Zurück in Jasper steht zuerst das verspätete Mittagessen auf dem Programm. Restaurants gibt es hier zwar reichlich, das Preisniveau zeigt aber klar, dass man hier von Touristen lebt. Wir behelfen uns mangels Begeisterung mit Fastfood von KFC.

In Jasper gibt es abgesehen von Hotels, Outdoorläden und einem Supermarkt nichts zu sehen. Den angebrochenen Nachmittag nutzen wir deshalb für einen kurzen Abstecher zum Pyramid Lake, der knapp 10 Kilometer nördlich der Stadt liegt. Unterwegs gibt es auch endlich die erste Tiersichtung: Direkt neben der Straße frisst ein stattlicher Hirsch in aller Ruhe.

Am Pyramid Lake erwarten uns überraschend wenige Menschen. Der See wird nicht von Gletschern gespeist und ist deshalb spiegelklar. Dahinter ragt der namensgebende, dreieckige Pyramid Mountain auf, dessen Flanke mit rostbraunen Flecken übersät ist. Laut Infoschild gibt es hier beträchtliche Eisenerzvorkommen, die aber dank des Nationalparks nicht ausgebeutet werden. Im See gibt es eine kleine, über eine Brücke erreichbare Insel mit Bänken, einer Freiluftkapelle für Hochzeiten und jede Menge Eichhörnchen.

Wir schauen uns eine halbe Stunde um, dann fahren wir, behindert von mehreren chinesischen Touristen, die wegen eines Hirsches am Wegrand die komplette Straße zuparken, wieder nach Jasper zurück.

Die wahrscheinlich schönste Pendlerstrecke Kanadas

Nicht nur die Essenspreise, auch die Preise für Unterkünfte in Jasper sind jenseits von Gut und Böse. Unsere Betten für die nächsten beiden Nächte stehen deshalb am Osteingang des Nationalparks in der Overlander Lodge.

Bis dahin haben wir schlappe 50 Kilometer Pendlerstrecke vor uns, die aber über das landschaftlich schönste Stück des Yellowhead Highway führen. Die Dimensionen in Kanada sind eben ein wenig anders als in Europa. Die grauen Berggipfel, spiegelglatten Seen und der türkisgrüne Athabasca River machen sogar die gefühlt 10 Baustellen unterwegs wett. Am Straßenrand sehe ich das erste Dickhornschaf der Reise und jede Menge Rotwild. Fehlt nur noch ein Bär.

Die Overlander Lodge liegt kurz nach dem Ausgang des Parks etwas abseits vom Highway. Ich erwische nur durch pures Glück die richtige Ausfahrt. Die Anlage ist ziemlich neu und besteht aus mehreren einzelnen Holzhütten, die jeweils mehrere Zimmer umfassen. Der Ausblick von der Terrasse auf die Berge ist grandios, das Zimmer hat sogar einen Gaskamin. Der Check-in klappt erst beim zweiten Versuch, wir bekommen den falschen Schlüssel in die Hand und ich gestehe mit mein Scheitern, die Tür zu öffnen, erst nach 10 Minuten ein. Zum Glück scheitert auch die hilfsbereite Angestellte von der Rezeption und organisiert uns einen Ersatzschlüssel, der dann passt 🙂



Clearwater, BC nach Jasper, AB: 198 Meilen / 319 Kilometer
Jasper zum Pyramid Lake: 4,6 Meilen / 7,5 Kilometer
Pyramid Lake zur Overlander Lodge: 37 Meilen / 60 Kilometer

Michael

Hallo, ich bin Michael. Wenn ich nicht im Alltag mit Statistiken und Zahlen jongliere genieße ich es, die Welt zu erkunden.

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