Was tun bei Regen? Kultur und Baden in Banff

Von Michael
Dieser Post ist Teil der Serie Rocky Mountains: Jasper und Banff & Yoho National Parks
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Am Wetter hat sich über Nacht wenig geändert. Spontan wird deshalb heute ein chilliger Tag ohne großes Programm eingeschoben. Abgesehen von einem Abstecher ins nahegelegene Banff gibt es vorerst keine Pläne.

Dank der fantastisch ausgestatteten Küche unserer AirBnB-Gastgeberin Chrissy gibt es heute zum ersten Mal seit Vancouver wieder selbstgemachte Pancakes mit Ahornsirup. Die Unterkunft in Canmore ist für meinen Geschmack die beste, die wir bisher hatten: Außer unserem riesigen Zimmer können wir das ganze Erdgeschoss mitbenutzen, das aus einem riesigen offenen Wohn- und Essbereich, Bad mit Sauna, Küche und Hauswirtschaftsraum besteht. Wir nutzen auch gleich die Gelegenheit zum Wäsche waschen. Dadurch dass die Familie keine abgetrennte Wohnung hat begegnet man sich dauernd und kommt auch ins Gespräch, was wir bei bisherigen AirBnB-Erfahrungen etwas vermisst haben.

Das späte Frühstück wird aber jäh unterbrochen, als sich Solomon und Arnold, die beiden Söhne unserer Gastgeberin auf uns stürzen. Die beiden sind 5 und 7 Jahre alt und nützen die Gelegenheit für eine kleine Wrestling-Stunde mit uns 😀 Chrissy erzählt uns, dass ihre Gäste sonst nicht in dem Alter sind, die für die Kinder als Spielpartner in Frage kommen und entschuldigt sich tausendmal für die Energie der beiden, aber wir genießen den Familienanschluss 🙂 Nachdem sich die beiden müde gekämpft haben bricht Chrissy mit ihnen für den restlichen Tag zum Wandern in die Berge auf. Für die Kinder geht am Dienstag nach dem Labor Day-Wochenende das neue Schuljahr los.

Pläne für die nächsten Tage

Wir haben vor dem Aufbruch aus Deutschland nur die Unterkünfte bis Jasper gebucht, deshalb müssen wir uns langsam um die Route für die nächsten Tage kümmern. Bis zum Yellowstone National Park haben wir noch fünf komplette Tage zu füllen.

Canmore
In gediegener Umgebung plant es sich gleich leichter 🙂

Fest vorgesehen war eigentlich ein zweitägiger Abstecher in den Glacier National Park auf der US-Seite der Grenze inklusive Zelten. Die Wettervorhersage lässt aber böses ahnen: Aktuell gibt es sogar eine Unwetterwarnung wegen Schnee und starkem Nebel. Außerdem läge noch die Prärie-Metropole Calgary fast auf dem Weg. Beim Suchen nach Unterkünften stoße ich auf eine Holzhütte auf einer abgelegenen Rinder-Ranch bei Pincher Creek im südlichen Alberta. Das Ganze sieht so verlockend aus, dass wir den Glacier NP aus dem Programm streichen.

Stattdessen geht es übermorgen von Canmore aus nach Calgary, wo wir eine Nacht bleiben wollen. Danach gönnen wir uns zwei Tage Cowboy-Feeling auf der Ranch in Pincher Creek, von wo aus wir noch den Waterton Lakes National Park, das kanadische Gegenstück zum Glacier NP erkunden wollen. Danach ist unsere Zeit in Kanada schon wieder zu Ende und wir überqueren die Grenze zum US-Bundesstaat Montana.

Mit dem Camping soll es wohl nicht sein dieses Jahr, aber die Vorfreude auf die nächsten Tage überwiegt die Wehmut. Der nich allzu Camping-geneigte Nico tut sich sichtlich schwer, seine heimliche Freude zu verbergen 🙂

Banff: Stadtzentrum und Whyte Museum

Kurz vor Mittag brechen wir Richtung Banff auf.Die 28 Kilometer sind nach kanadischen Maßstäben quasi um die Ecke. Die beiden Städte werden seit kurzem sogar von einem Radschnellweg verbunden, der auch stark genutzt wird.

Zur Stadt an sich lässt sich wenig sagen: Das knapp 8000 Einwohner zählende Banff ist ein typischer Wintersportort und wirkt deutlich größer als es ist. Neben Hotels der oberen Preislagen findet man hier auch alle internationalen Marken, um sein Urlaubsbudget zu strapazieren. Überragt wird das alles vom Sulphur Mountain, den man mit der Banff Gondola, einer Seilbahn erklimmen kann und dem Banff Springs Hotel, das an eine Kopie von Schloss Neuschwanstein erinnert.

Das Wetter ist immer noch sehr ungastlich und als erste Gelegenheit, dem Regen zu entkommen, bietet sich das Whyte Museum of the Canadian Rockies an. Das von einem aus Banff stammenden Spender gegründete Museum widmet sich lokalen Künstlern und der Kultur der Rocky Mountains.

Wir erkunden zuerst die Ausstellung zeitgenössischer Gemälde, die auch überraschend ansprechend sind. Einige Werke, zum Beispiel das Aquarell eines einem Autounfall zum Opfer gefallenen Bären, lassen aber doch eher ratlos zurück. Die Dauerausstellung fokussiert sich auf die Entwicklung des Tourismus in den Rocky Mountains von der Ausbildung der ersten lokalen Bergführer über den Bau der ersten Eisenbahnlinie samt Hotels, der Gründung der Nationalparks bis hin zum Besuch von Queen Elizabeth II in den 50er Jahren, der der Region zu Bekanntheit verhalf. Wir verbringen fast zwei Stunden in der Ausstellung, bevor uns der Hunger zurück in Richtung Stadtzentrum treibt. Das Whyte Museum sollte bei einem Besuch von Banff auf jeden Fall nicht fehlen.

Banff Upper Hot Springs

Wir sind jetzt schon über eine Woche in Kanada, haben uns aber kulinarisch abgesehen von Pancakes und Ahornsirup noch nicht wirklich auf die lokalen Spezialitäten eingelassen. Heute kommt die Gelegenheit: Poutine! Also: Pommes, Gravy (Bratensoße) und Cheese Curds (Flocken aus Käsebruch, die bei der Käseproduktion abfallen und seltsam quietschen). Klingt schlimm, sieht schlimm aus, schmeckt aber überraschend rund und gut. Poutine bekommt man in Kanada überall, vom guten Restaurant bis zu McDonalds steht es überall auf der Karte. Variiert werden kann zum Beispiel mit Bacon, Chili oder Hähnchen. Trotzdem, es wird wohl bei dem einen Versuch bleiben.

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Authentisch kanadische Poutine

Wir decken uns noch mit Postkarten und Briefmarken ein, dann stellt sich die Frage, was mit dem Rest des Tages anzustellen ist. Die Fahrt auf den Sulphur Mountain verspricht heute keine Aussicht, aber wie im Jasper NP locken auch in Banff Thermalquellen: Die Banff Upper Hot Springs liegen direkt oberhalb der Stadt und wirken beim heutigen Mistwetter ziemlich verlockend.

Banff
Banff Upper Hot Springs

Diesmal beschließt Nico, lieber auf eigene Faust Banff zu erkunden, während Christopher und ich zu den Quellen aufbrechen. Anders als in Miette gibt es hier ein historisches Empfangsgebäude, dafür aber leider nur ein einziges Thermalbecken und keine Kaltwasserbecken zum Abkühlen. Jetzt am frühen Nachmittag ist das Bad extrem voll, wir finden aber noch Platz im Wasser. Wir sind offensichtlich nicht die einzigen, die im 40°C warmen Wasser dem Nieselregen trotzen wollen. Der Regen stört tatsächlich kein bisschen und die Stunde im Bad ist Entspannung pur. Einzige Mankos: Es ist wirklich ein wenig gedrängt und statt den Kaltwasserbecken gibt es nur die Möglichkeit, sich zur Abkühlung in ein paar Stühle neben dem Becken zu setzen. Der Eintritt kostet hier sehr faire 7,30 $.

Banff
Relaxen pur bei 40°C in den Hot Springs – besonders gut im kühlen Nieselregen
Feierabend

Der Rest des Tages ist schnell abgehandelt: Zurück nach Canmore, unterwegs gleich zwei Regenbogen über dem Tal bewundern, bei Safeway fürs Abendessen einkaufen und ab an den Herd. Heute Abend gibt es Pasta mit Gemüsesoße und wir lassen den Abend heute ganz stilecht am Kaminfeuer ausklingen.



Canmore nach Banff und zurück: 35,5 Meilen / 57 Kilometer

Michael

Hallo, ich bin Michael. Wenn ich nicht im Alltag mit Statistiken und Zahlen jongliere genieße ich es, die Welt zu erkunden.

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