Bleibt noch das Fazit zum zweiten Nordamerika-Roadtrip:

Von Michael
Land…

Die Landschaften, die wir diesmal sehen konnten, waren bewusst als Kontrast zum Roadtrip durch den Südwesten der USA gedacht. Diesmal waren wir hauptsächlich im gemäßigten Klima unterwegs, deswegen gab es weniger Temperaturextreme nach oben oder unten als im letzten Jahr. Als Nachteil brachte das aber mehrere Regentage mit sich, die man aber mit ordentlicher Kleidung ausgestattet trotzdem gut nutzen konnte.

Mich hat am meisten die Landschaft in Alberta an der Ostflanke der Rocky Mountains beeindruckt: Der Anblick der Gipfel, die abrupt aus der flachen Prärie auftauchen, ist besonders im Abendlicht atemberaubend. Dazu kommen die wahrscheinlich schönsten Wolken überhaupt, die in ordentlichen Streifen über den endlosen Himmel ziehen. Aber auch Yellowstone hat mich komplett überwältigt, genauso die Gegend um Jasper, wo ich mir auch den ganzen Tag lang nur die Szenerie hätte anschauen können. Nur die Tierwelt konnte dieses Jahr nicht ganz mit den Begegnungen der ersten Tour mithalten.

Fazit
Die Rocky Mountains im Abendlicht… grandios
…und Leute

Überraschenderweise war es diesmal ziemlich politisch, auch wenn wir das Thema nie forciert hatten. Im Gespräch kamen wir fast immer auf das alles überlagernde Thema der US-Präsidentschaftswahlen und besonders Donald Trump. Auch wenn man noch nicht ahnen konnte, was man nun weiß…

Sowohl in Kanada, wo eher die Angst vor dem potentiell pöbelnden Nachbarn im Süden überwog, als auch in Seattle, wo man Trump als Bedrohung des eigenen liberalen Lebensgefühls sieht, sind wir aber ausschließlich Leuten begegnet, die sich gegen Trump aussprachen, ohne aber großartige Begeisterung für seine Gegenkandidatin zu zeigen. Echten Trump-Fans sind wir nicht begegnet.

Daneben bleibt natürlich festzuhalten: Die Offenheit, Freundlichkeit und Aufgeschlossenheit gegenüber Besuchern, insbesondere aus Europa, ist das Markenzeichen der US-amerikanischen und kanadischen Kultur. Der grundsätzliche Umgang im Alltag ist respektvoller, man begegnet sich mit einem Lächeln im Gesicht und bedankt oder entschuldigt sich lieber dreimal zu oft als einmal zu wenig. Das kann man als oberflächlich abtun oder sich einfach darüber freuen.

Fazit
Vancouver ist eine echte Traumstadt und hat mich total begeistert

Besonders in Seattle und Vancouver fällt auf, dass man es hier wirklich mit einer bunt gemischten Gesellschaft zu tun hat, die stark durch Zuwanderung aus dem asiatischen und pazifischen Raum geprägt ist. Das bereichert nicht nur kulturell, sondern auch kulinarisch und die Chinatowns in jeder Stadt sind weit mehr als nur Kulisse.

Was unterscheidet Kanada von den USA? Grundsätzlich nicht viel. Ich würde sagen, dass das kanadische Lebensgefühl in vielen Fragen deutlich europäischer geprägt ist als in den USA. Das fängt an bei den „normalen“ Maßeinheiten und geht über die Einstellung zum Sozialstaat bis hin zu Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Nicht zuletzt teilt man in Kanada den eher lockeren Umgang mit Tempolimits auf der Straße 😉

Vorbereitung

Lief. Dank Vorerfahrung haben wir uns nur locker vorbereitet und nur die entscheidenden Teile der Route vorgeplant. Das waren die Unterkünfte in Seattle, Vancouver, Banff und im Yellowstone, wo wir im Februar gerade noch das letzte Hotelzimmer im gesamten Park ergattern konnten.

Ansonsten haben wir noch ordentlich variiert: Der Abstecher nach Calgary war nicht vorgesehen, auch die zwei wunderschönen Übernachtungen auf der Ranch in Pincher Creek waren ein Zufallstreffer. Schade ist, dass es mit dem Camping nicht hat sollen sein und wir die Ausrüstung umsonst mitgeschleppt haben.

Am Ende reicht es wirklich, sich ein wenig vorab mit Land und Leuten auseinanderzusetzen, spannende Punkte auf der Karte zu markieren und dann vor Ort zu schauen, was sich realisieren lässt. Das bringt die Gefahr mit sich, an einigen Spannenden Ecken einfach vorbeizufahren, ich habe aber nicht das Gefühl, dass uns das oft passiert ist.

Schön wäre es am Ende nur gewesen, für Seattle einen Tag zusätzlich zur Verfügung zu haben.

Strecke

Am Ende unserer Tour stand der Tacho bei knapp unter 5900 Kilometern, bei unserer ersten Tour kamen wir auf etwa 4000 Kilometer. Ich habe oft gehört, dass es ab 4000 Kilometern weniger Urlaub als Stress ist, aber ich fand die diesjährige Tour fast entspannter als letztes Jahr. Auch die Stimmung in der Reisetruppe war ungetrübt 🙂

Wir haben uns nie gehetzt gefühlt und hatten immer genug Freiraum, einen spontanen Abstecher zu fahren oder auch mal einen Tag komplett Auszeit von der Straße zu nehmen. Mit hat besonders der Abstecher nach Calgary in der Mitte der Route gefallen, insgesamt hatten wir eine schöne Ausgewogenheit zwischen Zivilisation und Natur, Fahren und Wandern, Entspannung und Action.

Kosten

Insgesamt ist in den drei Wochen Folgendes an Kosten zusammengekommen:

Flüge 1670 €
Unterkünfte 2435 €
Mietwagen 726 €
Benzin 307 €
Verpflegung 966 €
Freizeit ca. 600 €
Sonstiges 430 €
Summe 7842 €

Pro Kopf also runde 2600 € für drei Wochen unterwegs und deutlich mehr, als wir im letzten Jahr ausgegeben haben.

Wir haben zwar bei Flug und Mietwagen einiges gespart, aber dieses Mal deutlich mehr für Unterkunft und Essen ausgegeben. Vor allem, dass wir nicht gezeltet haben hat sich im Budget niedergeschlagen, eine Nacht im Motel kostet eben locker das dreifache. Beim Essen wollten wir weg vom andauernden Fast Food und haben uns zumindest alle paar Tage ein echtes Restaurant gegönnt. Überall wo wir eine Küche zur Verfügung hatten haben wir selbst gekocht, das Preisniveau für Lebensmittel ist aber sowohl in Kanada als auch den USA einfach deutlich höher als in Deutschland. Der dritte Faktor waren Freizeitaktivitäten, z.B. die geniale Raftingtour oder Eintritte für Museen, Seilbahnen etc., auf die ich aber nicht hätte verzichten wollen.

Egal, gut wars trotzdem und Geld kann man nicht essen 😉

Roadtrip-Soundtrack

Dieses Jahr waren wir vorbereitet und hatten die Playlist für unsere 6000 Kilometer bei Spotify erstellt, um nicht wieder an fehlenden USB-Anschlüssen im Auto zu scheitern. Die Playlist hat uns entspannt auch über lange Strecken begleitet:

Und nun?

Das Land ist einfach riesig und auch nach zwei Roadtrips stapeln sich immer noch mehr als genug Wünsche für mindestens zwei weitere Reisen. Wahrscheinlich legen wir aber erst einmal ein oder zwei Jahre Pause ein, bevor es wieder zurück in die Staaten geht. Abwechslung ist immer gut und zumindest die geologischen Highlights der Region wird auch ein Donald Trump nicht so schnell zerstören können.

Für die nächste Nordamerika-Tour, wann auch immer, gibt es aber schon drei Favoriten:

  • Variante 1 wäre eine Tour von Denver nach Salt Lake City durch die südlichen Rocky Mountains, das nördliche New Mexico und zu den National Parks Canyonlands und Arches im östlichen Utah. Der Staat ist und bleibt landschaftlich einfach mein Favorit.
  • Route Nummer 2 würde von Seattle durch das westliche Washington und durch Oregon verlaufen. Auch die Landschaft und das Lebensgefühl im pazifischen Nordwesten sind sicher etwas mehr an Zeit wert, als wir diesmal dort verbracht haben.
  • Plan Nummer 3 ist der Verwegenste: Auch wenn wir dieses Jahr soweit nördlich waren wie noch nie sind wir nicht einmal in die Nähe des richtigen arktischen Nordens gekommen. Ein absoluter Traum wäre eine Tour über den Dempster Highway von Whitehorse im Yukon Territory bis zum Nordmeer. Schauen wir mal 🙂

Fazit

Michael

Hallo, ich bin Michael. Wenn ich nicht im Alltag mit Statistiken und Zahlen jongliere genieße ich es, die Welt zu erkunden.

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