Frankfurt – Amsterdam – Seattle: 50 Stunden auf Achse

Von Michael
Dieser Post ist Teil der Serie Pacific North West: Seattle & Vancouver
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23. August, ein regnerischer Sommer im Büro ist überstanden, der Koffer ist gepackt und ab dem nächsten Morgen winken endlich drei Wochen große Freiheit. Wenn nur der ganze Stress mit der Anreise nicht wäre…

Prolog: Zänk you for trävelling

Wir haben uns dieses Jahr erstmals für Frankfurt als Abflugort entschieden. Sowohl Flugzeit als auch -preis waren schlicht konkurrenzlos. Da der Flug schon um 7:00 Uhr startet, lohnt es sich aber nicht wirklich, vorher ein Hotel zu nehmen. Wir wollen stattdessen einen der letzten ICE am Vorabend mit Direktverbindung nach Frankfurt Flughafen Fernbahnhof nehmen, entspannt ankommen und uns die letzten paar Stunden am Terminal um die Ohren schlagen. Soweit der Plan.

Kurz vor 20:00 Uhr steigen wir in Leipzig in den Zug, um 00:30 Uhr sollen wir in Frankfurt ankommen. Diesmal geht niemand auf dem Weg zum Bahnhof verloren und eigentlich ist alles in Ordnung – bis ich auf halber Strecke zufällig noch einmal in meine Emails schaue und eine Information der Bahn finde, dass heute Abend leider weder Frankfurt Flughafen noch Frankfurt Hauptbahnhof angefahren werden können. Ich bin kurz sprachlos. Im Zug gab es keine Information und ein Zugbegleiter ist auch nicht zu finden. Wir stehen vor dem Dilemma, auf gut Glück im Zug zu bleiben oder bei nächster Gelegenheit auf den Regionalverkehr umzusteigen.

Wir entscheiden uns für die zweite Option. Eine Verbindung scheint es zumindest zu geben, auch wenn der nächste Bahnmitarbeiter wenig hilfreich ist:

Entschuldigung, wie kommen wir am einfachsten zum Frankfurter Flughafen?Ich

Ich würde sagen, mit dem Zug.Er

😐Ich

Es folgt eine Odyssee mit zwei Regionalzügen, einer S-Bahn und einem Bus. Irgendwie schaffen wir es nach den Irrungen und Wirrungen aber sogar, eine halbe Stunde vor geplanter Ankunft unseres ICE am Flughafen zu sein… 🙂

Hinflug
Anzeigefehler. Die Stimmung ist… ok.
Der Flug

Wir verbringen sechs zugige Stunden im Terminal, bis die Gepäckschalter öffnen, die Hoffnung auf eine Stunde Schlaf war aber leider vergeblich. Ab hier läuft dann aber zumindest alles wie am Schnürchen:

Zum Zwischenstopp nach Amsterdam Schiphol sind wir nur eine Stunde unterwegs. Der Weiterflug wird von Delta ausgeführt, ich hatte zwar Schlimmes über geringe Sitzabstände und alte Maschinen gehört, die Maschine ist aber nagelneu, das In-Seat-Entertainment lässt keine Wünsche offen und auch meine Beine finden relativ gut Platz.

Bis Seattle sind wir gut 10 Stunden in der Luft und ab Grönland gibt es auch einiges zu sehen. Um Ilulissat fließen riesige Gletscher in die mit Eisbergen gesprenkelte Bucht, etwas später über dem nördlichen Kanada ist die Landschaft mit tausenden Seen gesprenkelt. In der letzten Stunde vor Ankunft überfliegen wir die kanadischen Rocky Mountains und bekommen aus der Vogelperspektive mit dem Maligne Lake, dem Tal des Athabasca River und dem Columbia Icefield schon einen guten Vorgeschmack auf die kommende Woche.

Custom Form
Der Automat macht dieses Mal sogar das blaue Zollformular überflüssig

Am SeaTac Airport geht es dann zum Glück extrem zügig durch die Einreiseprozedur. Als ESTA-Wiederholungstäter dürfen wir die Schlange überspringen und die neuen Passkontroll-Automaten nutzen, die neben den üblichen Fragen zur Einreise auch das obligatorische Foto schießen und die Fingerabdrücke einlesen. Der Immigration Officer stellt im Anschluss nur noch zwei kurze Fragen und stempelt unsere Pässe ab. Auch die blaue Zollerklärung hätten wir diesmal nicht gebraucht. Insgesamt sind die Stimmung und der Umgangston hier viel entspannter als am LAX im letzten Jahr.

Angekommen in Seattle

Der erste Weg führt per Bus zum Mietwagenterminal. Dieses Jahr haben wir bei Alamo die Auswahl aus mehr als 10 Midsize-SUVs, bleiben aber unserem Modell vom letzten Besuch fast treu: Es wird ein grauer Jeep Compass mit knapp 8000 Meilen auf dem Tacho. Seltsamerweise haben alle Mietwagen hier Kennzeichen aus Oregon. Auch ein älteres Paar aus New York, dem wir die automatisch öffnende Heckklappe ihres Mietwagens erklären, kann uns das Rätsel nicht lösen.

Bis zu unserer Unterkunft sind es eigentlich nur 10 Minuten, wir schaffen es aber, gleich an der ersten Gelegenheit falsch abzubiegen und finden uns auf der Interstate 5 wieder. Das bedeutet für uns eine 30-minütige Rundfahrt durch die südlichen Vororte von Seattle, bevor wir unsere erste AirBnB-Unterkunft im Vorort Burien erreichen.

Seattle
Unser diesjähriges Transportmittel: Ein Jeep Compass, der wohlhabende große Bruder unseres letztjährigen Jeep Patriot 🙂

Unsere Gastgeberin Bethany vermietet in ihrem kleinen Haus gleich vier Zimmer an Gäste. Das ganze Haus im 50er-Jahre-Stil wirkt urgemütlich und auch der riesige Garten mit Terrasse, Hängematte und Feuerstelle ist perfekt zum relaxen. Dazu kommen noch drei Hunde, eine Schildkröte und ein Fisch als Mitbewohner. Als wir ankommen sind wir zunächst alleine, kommen aber per Schlüsselcode ins Haus. Da wir noch komplett ohne Vorräte sind und uns auch vor dem Grenzübergang nach Kanada nicht groß mit Lebensmitteln eindecken können (Die Einfuhrvorschriften sind freundlich gesprochen unübersichtlich), sind wir auch sehr dankbar für Bethanys Vorrat an Getränken und Grundnahrungsmitteln, den sie ihren Gästen bereitstellt.

Kurz nach uns kommt auch unsere sehr sympathische Gastgeberin an. Ihren Tipp, das gute Wetter für einen Abstecher zum Strand auszunutzen, setzen wir dann direkt in die Tat um.

Burien & Seahurst Park

Langsam macht sich auch Müdigkeit breit und ich bin froh, in Bewegung zu bleiben, um nicht einzunicken. Bis zum Seahurst Park, der einen frisch umgestalteten, wunderschönen Strand mit Picknickplätzen, Spielplatz und einem Kiosk bietet, sind es etwa zwei Meilen. Burien ist eine typisch US-amerikanische Vorstadt mit breiten Straßen, kleinen einstöckigen Holzhäusern, ordentlichen Vorgärten und viel Platz. Man sieht, dass der Wahlkampf in vollem Gang ist, denn viele Vorgärten strotzen vor Wahlkampfschildern, fast ausschließlich aber für lokale Kandidaten der Demokraten. Das Wetter ist komplett untypisch, wir haben gut 25°C und strahlend blauen Himmel, laut Bethany der schönste Tag des bisherigen Sommers.

Das schreit natürlich nach einem Eis. Nach einem Eis mit Oreo-Kruste. Warum gibt es das eigentlich nicht in Deutschland? Wir kapern einen der am Strand verstreut liegenden Treibholz-Stämme als Sitzgelegenheit und genießen die Ruhe nach dem langen Flug. Der erste Eindruck von Seattle ist mehr als gut, ich bin besonders beeindruckt, wie sehr sich die Landschaft hier von California unterscheidet. Es ist generell viel grüner und der zahlreiche Niederschlag sorgt dort für grüne Hügel, wo im Südwesten alles braun und gelb ist. Und am Horizont wird alles überragt von den Gipfeln der Cascade Mountains, besonders der vergletscherte Mount Rainier dominiert das Bild.

Für den Rückweg wählen wir die längere Strecke, die aber auch einen ordentlichen Anstieg einschließt. Am Wegrand wachsen Unmengen von Brombeeren, so ist zumindest der fehlende Proviant kein Problem.

Schlaf!

Zurück bei Bethanys Haus genießen wir noch ein wenig die Sonne im Garten. Langsam aber sicher werden wir dann doch vom Schlafmangel übermannt. Ich schaffe es, mich irgendwie bis 20:30 Uhr halbwegs wach zu halten, komme aber in der Broschüre, die ich zu lesen versuche, nicht über immer die selbe eine Seite hinaus. Alle paar Sekunden fallen mir die Augen zu.

Seattle
Die Müdigkeit schlägt zu…

Halb neun ist zumindest eine halbwegs akzeptable Zeit zum Schlafengehen und ich habe die Hoffnung, dem Jetlag die Stirn geboten zu haben. Man wird sehen. Insgesamt war es nicht die beste Idee, einen Flug mit Ankunftszeit mitten am Tag zu nehmen. Inklusive durchgewachter Nacht ist man nach einem Transatlantikflug einfach nur bettreif.



Leipzig Hbf nach Frankfurt Flughafen: 4:35 h
Franfurt/Main FRA über Amsterdam Schiphol AMS nach Seattle/Tacoma SEA: insgesamt 13:30 h
SeaTac Rental Car Center zur Unterkunft: 15 Meilen / 24 Kilometer mit Umweg
Spaziergang zum Seahurst Park: 4,3 Meilen / 7 Kilometer

Michael

Hallo, ich bin Michael. Wenn ich nicht im Alltag mit Statistiken und Zahlen jongliere genieße ich es, die Welt zu erkunden.

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