Downtown Vancouver, Stanley Park & Commercial Drive

Von Michael
Dieser Post ist Teil der Serie Pacific North West: Seattle & Vancouver
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Der erste Morgen in Vancouver – endlich kann der Urlaub losgehen 🙂 Sowohl Nico als auch mir steckt aber immer noch der Jetlag in den Knochen, das mit dem Aufstehen fällt schwerer als es sollte. Zum Ausgleich gibt es heute klassisch einen Stapel Pancakes mit Ahornsirup zum Frühstück, bevor wir in Richtung Downtown Vancouver aufbrechen.

Vancouver
Frühstück klassisch kanadisch: Pancakes & Ahornsirup
Commercial Drive

Vorher aber noch eine Runde Global Village: Zufällig ist gerade Alex, eine Freundin aus dem Studium, in der Stadt. Sie ist schon seit einer Woche in der Gegend unterwegs, war auf Vancouver Island und will nach Kelowna im östlichen British Columbia weiter.  Zufällig wohnt sie auch nur ein paar Straßen weiter, wir haben uns deshalb auf einen Kaffee verabredet.

Zur Leipzig-Reunion treffen wir uns bei Moja Coffee auf dem Commercial Drive.  Der Kaffee ist super und verglichen mit dem Marktführer aus Seattle sogar günstig, die Einrichtung ziemlich hip, aber trotzdem gemütlich. Nebenbei fallen auch wieder ein paar gute Tipps für die nächsten Tage in Vancouver ab.

Weiter gehts in Richtung Stadtzentrum. Man könnte zwar per Bus fahren, das dauert aber recht lange und man müsste mehrmals umsteigen. Das Verkehrsmittel der Wahl ist deshalb der SkyTrain, eine Mischung aus Hoch- und U-Bahn. Es gibt drei Linien, die jeweils mehrere Vororte mit Downtown verbinden. Die für uns nächste Station der Millenium Line liegt an der Kreuzung Commercial/Broadway, eine knappe Meile vom Café entfernt.

Verglichen mit deutschen Nahverkehrsverbünden ist das Preissystem von TransLink mal wieder erfrischend simpel: Zwei Tarifzonen (Stadt Vancouver und restliche Metropolregion), Einzelfahrt, Tages- und Monatskarte, das wars.  Einziger Nachteil ist, dass das System mit aufladbaren Karten arbeitet, auf die man seine Tickets am Automaten buchen kann. Für diese Compass Card wird ein Pfand von 6 $ fällig und leider kann man die Karte nur an wenigen Servicestellen wieder zurückgeben. 9,75 $ für das Tagesticket sind in meinen Augen trotzdem mehr als in Ordnung.

Downtown Vancouver, Canada Place und Coal Harbour

Wir fahren bis zur Endstation Waterfront und sind mittendrin. Direkt um die Ecke liegt Canada Place, ein großes Kongresszentrum/Hotel/Kreuzfahrtanleger. Erbaut wurde es als Pavillion zur Weltausstellung 1986. Sein Dach erinnert an große Segel und irgendwie auch an das Opernhaus von Sydney.

Vancouver
Gleich mal die neue Kamera austesten

Es liegt sogar ein Kreuzfahrtschiff vor Anker, die Dimensionen erschlagen einen förmlich. Von hier aus hat man einen grandiosen Blick über den Burrard Inlet, den Meeresarm der das Zentrum von Vancouver von den nördlichen Vororten North und East Vancouver trennt. Hier sieht man perfekt die einmalige Lage der Stadt: Der Fraser River, Burrard Inlet und weitere Buchten zerteilen die Stadt in viele mit Brücken verbundene Teile. Eingerahmt wird das Ganze von den Bergen im Hintergrund und der Strait of Georgia im Westen. Am Horizont kann man die Berge von Vancouver Island sehen.

Eine weitere Besonderheit, die uns auffällt ist das dicht bewohnte Stadtzentrum. Wie in anderen nordamerikanischen Metropolen ist Downtown Vancouver von Hochhäusern dominiert, allerdings sind die meisten Türme hier offensichtlich keine Bürohäuser, sondern Wohngebäude. Die meisten sehen nicht älter als 15 Jahre aus. Besonders nach Norden zum Coal Harbour reichen die Wohntürme bis zum Wasser, dazwischen liegen Parks, Cafés und Spielplätze. Das lässt die ganze Stadt viel freundlicher und humaner wirken als die außerhalb der Geschäftszeiten fast menschenleeren Bankenviertel San Franciscos oder anderer Städte.

Stanley Park

Wir folgen der Uferpromenade Richtung Westen zum Stanley Park, dem grünen Herz der Stadt. Er liegt an der Westspitze der Halbinsel, auf der sich auch Downtown befindet und ist der größte städtische Park Kanadas. Um die mehr als 400 Hektar Park (größer als der Central Park in New York) führt ein 8 Kilometer langer Weg für Fußgänger und Radfahrer. Der Großteil von Stanley Park ist aber mehr unberührter Wald als künstlich angelegter Park.

Wir steuern zuerst die Ostspitze des Parks an, wo die bekanntesten Attraktionen warten. Das sind vor allem die Totempfähle, die hier seit 1920 stehen. Die ursprünglichen Pfähle wurden aus Siedlungen kanadischer Ureinwohner aus dem nördlichen British Columbia und den Haida Gwaii-Inseln hierher gebracht. Heute sind zwar nur noch Nachbildungen der Originale zu sehen, schön und spannend sind sie trotzdem. Daneben gibt es ein Besucherzentrum mit Informationen zur Geschichte der Pfähle und der zugehörigen Völker.

Wir folgen dem Seawall und ich finde zwischendurch auch eine Gelegenheit fürs Mittagessen. An einem der Park-Kiosks gibt es ein überraschend gutes Sandwich mit geräuchertem Sockeye-Lachs. Auf diesem Abschnitt des Rundwegs sind verschiedene Kunstwerke ausgestellt, zum Beispiel eine Nachbildung der kleinen Meerjungfrau von Kopenhagen und die Galionsfigur eines Schiffes. Ziemlich imposant ist auch die Lions Gate Bridge, die vom Park aus als Hängebrücke den Burrard Inlet überspannt.

Schon wenige Meter nachdem wir uns vom Seawall entfernen fühlt man sich wie mitten im Wald. Die Bäume sind riesig, die Geräusche der Stadt und die Menschen verschwinden und man könnte genauso gut in der Wildnis sein. Etwas weiter erreichen wir den Beaver Lake, einen komplett mit Seerosen überwucherten See im Zentrum des Parks. Einen guten Kilometer hat uns die Zivilisation wieder und wir erreichen den perfekt gemähten Rasen um den Rosengarten. Für mich ist der Stanley Park das absolute Highlight der Stadt.

Strandfeeling an der English Bay

Wir steuern am Südrand des Stanley Park entlang der Lost Lagoon in Richtung Westen und erreichen die English Bay. Im Hintergrund sammeln sich Frachtschiffe und Tanker auf der Bucht, im Vordergrund liegt der Second Beach mit Strandtrubel. Neben dem Strand gibt es hier Picknickplätze, ein Strandbad mit Pool und Verkaufsstände für Mais und Popcorn.

Unser eigentliches Ziel war der ruhigere Third Beach weiter nördlich, aber nach den Kilometern, die wir heute schon auf dem Buckel haben, wollen wir uns nicht mehr zu weit von der Stadt entfernen. Deshalb geht es Richtung Süden, wo der größere English Bay Beach direkt unterhalb der Wohntürme des West Ends liegt. Hier ist zwar auch viel los, aber der Trubel verteilt sich besser auf dem großen Strand.

Ein ruhiges Stück Wiese ist schnell gefunden und ich genieße einfach nur das perfekte Sommerwetter, den blauen Himmel und das umwerfende Panorama mit Bergen, den Frachtschiffen auf der Bucht und den Gipfeln von Vancouver Island am Horizont.

Nach der English Bay sind wir ein wenig unschlüssig, wo wir heute noch hin wollen und was wir uns für morgen aufheben. Auf dem Weg zurück zum Zentrum kommen wir an Granville Island vorbei. Dort soll es jede Menge individuelle Restaurants und Craft Beer-Brauereien geben, wir finden aber leider keinen Weg auf die Brücke, die zur Insel führt.

Vancouver
Der Robson Square in der Stadtmitte ist bekannt für seine Food Trucks. Wir sind heute leider zu spät dran.

Der Vollständigkeit halber steuern wir aber zumindest noch den Robson Square an, das geographische Zentrum der Innenstadt. Hier befindet sich das oberste Gericht von British Columbia in einem modernen, größtenteils unterirdischen und mit Glas überdachten Gebäude und die Vancouver Art Gallery, die aber gerade saniert wird. Zu sehen gibt es also wenig und die Food Trucks, auf die wir eigentlich gehofft hatten, sind leider schon weg.

Gastown

Deswegen geht es weiter nach Nordosten, zufälligerweise fast zurück zum Ausgangspunkt heute Morgen nach Gastown, der historischen Keimzelle der Innenstadt. Hier findet man auf mehreren Blocks noch alte Ziegelbauten aus der Zeit der Jahrhundertwende, leider voller teurer Cafés, Läden und Touristen. Die Meisten kommen nur hierher, um die vermeintliche Hauptattraktion der Stadt zu bestaunen: Die Dampfuhr an der Ecke Cambie/Water. Passenderweise kommen wir gerade zur vollen Viertelstunde und können die Uhr dampfend in Aktion sehen und hören. Nach wenigen Sekunden ist das Spektakel aber schon vorbei und die Massen zerstreuen sich. Den Weg hätten wir uns im Nachhinein nicht machen müssen.

Damit auch Christopher auf seine Kosten kommt, steht als letzter Stopp für heute noch das BC Place Stadium auf der Agenda. Hier soll es einen Fanshop der Vancouver Canucks geben, den wir aber mangels Vorbereitung durch Christopher und Interesse meinerseits nicht finden 🙂

 Zum Glück ist direkt nebenan die SkyTrain-Station Stadium/Chinatown und wir steuern nach gut 17 Kilometern Fußmarsch die Unterkunft in Grandview an. Mich persönlich hat Vancouver schon am ersten Tag komplett umgehauen. Lage und Stadtbild sind auch ohne hervorstechende Sehenswürdigkeiten grandios, aber vor allem habe ich das erste Mal in einer nordamerikanischen Stadt das Gefühl einer eigenständigen städtischen Identität, die sich von den anderen, oft austauschbaren Betonwüsten unterscheidet. Auch den Menschen merkt man an, dass Sie das Leben hier genießen, alles atmet hier Offenheit, Toleranz und Multikulturalismus 🙂

Abends auf dem Commercial Drive

Nach diesem Gewaltmarsch braucht es ein ordentliches Abendessen. Wir richten uns nach Dougs Tipps und landen bei Via Tevere, nur zwei Blocks weiter in der selben Straße. Wir hatten uns zwar im letzten Jahr geschworen, die Finger von amerikanischer Pizza zu lassen, aber hier gibt es die original neapolitanische Version, zubereitet von originalen Neapolitanern im original neapolitanischen Steinofen. Da kann wenig schief gehen 🙂

Das Ergebnis überzeugt: Ich habe auch in Italien selten bessere Pizza gegessen, die Stimmung ist locker, die Preise überraschend niedrig. Am Ende lasse mich zur Feier des Tages noch zu einer Portion Tiramisu hinreißen. Genial. Aber das Weitergehen wird dadurch nicht leichter…

Vancouver
Whisky auf zwei Stockwerken… ein Traum 😀

Nächste Station ist Fets Whisky Kitchen auf dem Drive. Der Laden wird ihrem Ruf als beste Whisky-Bar der Stadt absolut gerecht: Die Auswahl an schottischen Malts ist riesig, auch ein paar japanische, skandinavische und deutsche Whiskys sind auf der Karte. Dazu auch Bourbon und kanadischer Whisky, aber wer trinkt sowas schon?  Auch der Barkeeper freut sich, endlich mal wieder jemanden mit Schottland-Erfahrung vor sich zu haben 🙂 Nach ein paar klassischen Einsteigern tasten wir uns an die Auswahl der Scotch Malt Whisky Society heran. Diese Single-Cask-Abfüllungen werden ohne Angabe des Destillers und unter sehr bildlichen Namen („Boiled Sweets & Play-Doh“)  nur an wenige ausgewählte Bars vertrieben.

Um einige Scheine ärmer, dafür einige Promille hochprozentiger steuern wir dann aber final für heute die Betten an.



Unterkunft zur SkyTrain-Station: 1,2 Meilen / 2 Kilometer
Waterfront über Stanley Park und English Bay nach Downtown: 10,6 Meilen / 17 Kilometer

Michael

Hallo, ich bin Michael. Wenn ich nicht im Alltag mit Statistiken und Zahlen jongliere genieße ich es, die Welt zu erkunden.

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