Vancouver Teil 2: Grouse Mountain & Chinatown

Von Michael
Dieser Post ist Teil der Serie Pacific North West: Seattle & Vancouver
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Der zweite Morgen in Vancouver bricht an und wir wollen es passend zum Wochenende heute ruhiger angehen lassen. Die gut 20 Kilometer von gestern sitzen immer noch spürbar in den Knochen. Zu allem Überfluss meldet sich auch der Jetlag ein letztes Mal. Nach Tiramisu und Whisky habe ich aber wie ein Stein geschlafen.

Auch heute starten wir echt kanadisch mit Pancakes und Ahornsirup in den Tag. Eigentlich halte ich ja gar nichts von süßem Frühstück, aber daran könnte ich mich gewöhnen 🙂

Vancouver
So macht Frühstück Spaß 🙂

Draußen scheint weiter die Sonne bei warmen 25°C, wir müssen also nicht auf das Indoor-Notprogramm umschalten (Museen gäbe es genug). Nach dem gestrigen Fußmarsch soll heute aber das Tagesticket für die LightRail ein wenig besser ausgenutzt werden. Das macht auch deshalb Sinn, weil wir im Stadtzentrum fast überall waren und die noch übrigen Attraktionen quer über die ganze Stadt verteilt liegen.

Grouse Mountain & North Vancouver

Attraktion Nummer 1 ist Grouse Mountain, quasi der Hausberg von Vancouver. Stadt, Wasser und Wald haben wir schon gesehen, es spricht also viel dafür, uns auch noch die umliegenden Berge vorzunehmen.

Es gibt im näheren Umkreis zwar einige erschlossene Gipfel, Grouse Mountain bietet aber den großen Vorteil, per Busshuttle aus dem Stadtzentrum erreichbar zu sein. Wegen des dichten Stadtverkehrs sind wir froh, unserem Jeep noch einen Tag Ruhe gönnen zu können und starten lieber zu Fuß über den Commercial Drive Richtung LightRail-Station.

Vancouver
Erst beim zweiten Mal vorbeilaufen entdeckt: Die Olympische Fackel von 2010 am Canada Place

Wir fahren wieder bis zur Waterfront Station, von wo die Busse zum Berg starten. Auch die Tickets gibt es hier an einem Kiosk auf dem Vorplatz von Canada Place. Wir schlucken ein wenig, als wir stolze 49 $ pro Kopf für die Fahrt zum Gipfel sollen. Aber was soll der Geiz… Für die fitten unter den Geizhälsen gibt es aber sogar eine Alternative: Den Grouse Grind. Über einen engen, steilen Weg und 2380 Stufen kann man den Gipfel auch zu Fuß erreichen, als Entschädigung für die Anstrengung kostet dann die Abfahrt per Seilbahn nur noch 10 $ (Ob das so ein guter Deal ist? Wahrscheinlich lässt man die Differenz stattdessen beim Imbiss auf dem Gipfel liegen. Der Grouse Grind ist übrigens nur bergauf begehbar).

Der Bus fährt alle 15 Minuten von Canada Place über Stanley Park und die Lions Gate Bridge nach North Vancouver. Direkt nebenan liegt übrigens die zweite große Attraktion auf diesem Ufer des Burrard Inlet, die Capilano Suspension Bridge. Auf einer Seilbrücke kann man hier die Schlucht des Capilano River überqueren. Als Bonus gibt es einen Wald-Erlebnispfad, Ausstellungen nativer Kunst und natürlich Restaurant und Souvenirshop. Auf Fotos sah das Ganze zwar schon nett aus, 40 $ für eine simple Seilbrücke fanden wir dann aber doch zu hart.

Auf dem Gipfel

Nicht dass Grouse Mountain weniger touristisch wäre: Die Seilbahnfahrt nach oben bietet schon ein geniales Panorama, sobald man aber oben die Gondel verlässt, fühlt man sich wie in einem Freilichtmuseum/Zoo/Zirkus. Neben einer Vogel-Show mit Greifvögeln gibt es regelmäßige Holzfäller-Vorführungen und Drahtseile, an denen man entlangrutschen kann – sofern man dafür 75 $ zahlen möchte ;). Und ein Bärengehege mit zwei Grizzlys. Für mein Verständnis völlig unnötig, die Tiere wirken eingeschüchtert und nicht wirklich zufrieden damit, von knipsenden Familien angestarrt zu werden.

Ein Glück haben wir uns für das Peak Ticket entschieden, das uns eine weitere Fahrt per Sessellift vom Plateau bis zum höchsten Gipfel einbringt. Hier oben ist weniger los und wir haben endlich Gelegenheit, den atemberaubenden Blick über Vancouver und das Fraser-Delta auf uns wirken zu lassen. Im Süden blicken wir bis in die USA hinein, im Westen liegen die Frachtschiffe und Tanker wie Spielzeuge in der Bucht und auch Vancouver Island kann man von hier mehr als nur erahnen. Eine Stadt mit dieser traumhaften Lage müsste man erfinden, wenn es sie nicht schon gäbe 🙂

Ein Stück weiter hätten wir noch die Möglichkeit (gegen extra Geld) eine Windturbine zu erklettern, unter derem Rotor eine gläserne Aussichtsgondel sitzt. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass das den Ausblick noch irgendwie toppen kann. Stattdessen gibt es eine Brotzeit mit Scones vom Commercial Drive. Leider zeigt sich mal wieder, dass nordamerikanisches Gebäck mit den europäischen Vorbildern leider nicht mehr als den Namen gemeinsam hat.

Trotzdem gestärkt geht es zurück zum Plateau mit den Attraktionen. Dass man dorthin auch zu Fuß kommt, entdecken wir eher zufällig, aber besser ausgeschildert würde natürlich niemand mehr das Ticket für den Sessellift kaufen. Geschäftstüchtig sind sie hier. Wir haben das Gefühl, alles gesehen zu haben, fahren mit der nächsten Seilbahn ins Tal und mit dem nächsten Bus zurück ins Zentrum.

Robson Street und BC Place

Die Mittagessenszeit schlägt langsam aber sicher und mein Ziel ist der Robson Square. Eigentlich wollten wir hier schon gestern einen der vielen Food Trucks erwischen, leider waren wir zu spät dran. Heute habe ich mich eher informiert und im Netz bei Streetfood Vancouver eine Karte der gerade aktiven Food Trucks gefunden. Neben klassischen Sandwiches, BBQ Chicken & Co gibt es auch alle möglichen asiatischen und südamerikanischen Einschläge.

Mein Favorit ist schnell gefunden: Eat Chicken Wraps an der Ecke Robson/Howe verkauft frische Wraps mit Hähnchen Caesar, Buffalo Style oder mit chinesischem Einschlag und Hoisin-Sauce. Riecht alles extrem lecker, am Ende wird es für mich, da ich auf Schärfe stehe, ein Buffalo Chicken Wrap. Mit zartem Hähnchenfleisch und vielen Jalapeños schmeckt er einfach gigantisch. Die beiden anderen wollen übrigens nicht warten, behelfen sich mit normalen Hot Dogs und schauen neidisch 🙂

Satt und zufrieden steuern wir noch einmal das BC Place-Stadion an. Christopher hat inzwischen herausgefunden, wo der Fanshop der Canucks zu finden ist (einen Block weiter an der Rogers Arena) und deckt sich mit einem T-Shirt des Clubs ein.

Chinatown

Ein paar Blocks weiter östlich beginnt dann schon Chinatown. Wie in den meisten nordamerikanischen Städten lebten die Einwanderer aus China ursprünglich konzentriert in diesem Viertel. Heute ist das nicht mehr so, mit seinen traditionellen Läden, Restaurants und Parks bildet Chinatown aber immer noch das Herz der chinesischen Kultur in Vancouver. Die ist nicht zu unterschätzen. Im Jahr 2006 gaben immerhin 30 % der Einwohner von Vancouver an, chinesische Wurzeln zu besitzen.

Vancouver Chinatown
Hier gehts offensichtlich nach Chinatown

An diesem Samstagnachmittag sind die Straßen Chinatowns leider fast ausgestorben, wahrscheinlich ist das Wetter einfach zu gut um durch die engen dunklen Gassen zu schlendern. Immerhin gibt uns das freien Blick auf das Millennium Gate, das traditionelle Eingangstor zum Viertel.

Die bekannteste Attraktion hier ist der Dr. Sun Yat-Sen Classical Chinese Garden, ein im traditionellen chinesischen Stil angelegter, ummauerter Park. Der Park wurde ab 1985 angelegt und besteht aus einem öffentlichen Teil, der frei zugänglich ist und einem inneren Bereich, für den Eintritt fällig wird. Schön sind beide Teile. Der Unterschied liegt vor allem darin, dass der innere Garten mit original chinesischen Baustoffen und Werkzeugen errichtet wurde, während man sich im äußeren Bereich mit Nachbildungen begnügte.

Die Atmosphäre ist auf jeden Fall besonders. Durch die umgebende Mauer verschwindet der Straßenlärm und alles was man von der umliegenden Stadt wahrnimmt sind die ringsum aufragenden Hochhäuser. Die könnten aber auch in jeder chinesischen Großstadt stehen. Außer Bambushainen, einem Teich mit Tempel und sonstigen aus Nordchina importierten Bäumen sehen wir auch Schildkröten und Zierfische. Eine wirklich einmalige Ruheoase mitten in der Stadt und ein schöner Botschafter für die chinesische Gartenkultur.

Feierabend am Strand

Damit wären die Tagesziele für heute abgearbeitet und wir sind uns einig, dass wir gut noch ein wenig Strandfeeling brauchen können. Dazu suchen wir uns heute den Second Beach aus, den wir gestern schon kurz gesehen hatten. Während die Sonne hinter der Bucht versinkt genießen wir den Blick aufs Meer und lassen die zwei Tage in Vancouver entspannt ausklingen.

Vancouver
Einen besseren Ort um ein Fazit zu Vancouver zu ziehen wird man kaum finden.

Im Fazit gefällt mir die Stadt sogar noch besser als San Francisco im letzten Jahr. Es fehlen zwar die wirklich weltbekannten Attraktionen, aber das Gesamtbild überzeugt. Zum ersten Mal in Nordamerika habe ich den Eindruck in einer wirklich gewachsenen Stadt zu sein. Natürlich konnten wir auch einige der Nachteile sehen. Die Preise für Wohnraum sind exorbitant und natürlich gibt es Viertel, die offensichtlich vom Boom abgehängt sind. Auch Gentrifizierung ist ein Thema. Direkt um die Ecke von unserer Unterkunft soll ein Hochhaus ein altes Geschäftsgebäude ersetzen. Dagegen hat sich eine Initiative aus der Nachbarschaft formiert, was aber ebenfalls für funktionierende soziale Strukturen spricht.

Die Sonne versinkt im Meer, wir fahren ein letztes Mal per SkyTrain zurück nach Grandview. Morgen verlassen wir die Stadt und brechen nach Osten in Richtung der Rocky Mountains auf.



Waterfront über Robson Square und BC Place nach Chinatown: 2,5 Meilen / 4 Kilometer
Waterfront über Coal Harbour zum Second Beach: 4,3 Meilen / 7 Kilometer

Michael

Hallo, ich bin Michael. Wenn ich nicht im Alltag mit Statistiken und Zahlen jongliere genieße ich es, die Welt zu erkunden.

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