Camping, Wandern und Wildlife im Sequoia NP

Von Michael
Dieser Post ist Teil der Serie Baumriesen & Berge im Sequoia National Park

Die zweite Nacht im Zelt verläuft deutlich bequemer als die Erste, dafür wachen wir leider bei strömendem Regen auf. Der Wetterbericht vom Vortag stimmt uns aber hoffnungsvoll und wir weichen zunächst ins trockene Auto aus. Gegen 10 Uhr lässt der Regen nach und wir fahren für ein verspätetes Frühstück nach Lodgepole, wo sich zur Not auch ein paar Indoor-Beschäftigungen finden würden. Die Entscheidung erweist sich als richtig, noch unterwegs verziehen sich die Regenwolken und die Sonne bricht durch. Für den Rest des Tages ziehen zwar immer wieder dicke Wolken durch, es bleibt aber trocken und sonnig bei knapp 20°C, kurz ideales Wanderwetter.

Sequoia
Man merkt am Klima, dass wir im Hochgebirge sind
Lodgepole Village

Anders als die desaströse Pizza vom Vorabend ist das Frühstück in der Cafeteria in Lodgepole sehr zu empfehlen. Wir widmen uns einem akuten Problem: Als wir vor einigen Tagen unsere in San Francisco gekauften Postkarten abschicken wollten fiel uns auf, dass die mitgekauften Briefmarken aus unerfindlichen Gründen verschwunden sind. Der Mitarbeiter im Post Office im Sequoia kann uns aber leider nicht helfen, da das Postamt geschlossen wurde und seine einzige Aufgabe nun darin besteht, dies den Touristen verständlich zu machen. Das Thema Briefmarken soll uns noch einige Tage beschäftigen.

Das Visitor Center in Lodgepole haben wir gestern übersprungen und holen den Besuch nun nach. Diese Einrichtungen, die es in jedem Park oder National Monument gibt, sind generell lohnend und sehenswert. Die Gebäude orientieren sich architektonisch meist an der Umgebung und beinhalten neben dem obligatorischen Souvenirshop meistens ein Kino mit informativen Kurzfilmen zum Park und möglichen Aktivitäten, außerdem oft ein Museum oder zumindest eine informative Ausstellung. Vor allem findet man hier Ranger des National Park Service, die in der Regel sehr kompetent und freundlich Fragen zu Wanderrouten und lohnenden Zielen beantworten. Abends gibt es regelmäßig gibt regelmäßig auch Vorträge zu Geschichte, Flora, Fauna und Geologie der Parks. Das alles unterstreicht unser Bild davon, dass in den USA neben der überwältigenden Natur immer auch ein gewisses Maß an Entertainment und Infrastruktur gefragt ist, um einen Ort als Besuchsziel attraktiv zu gestalten.

Giant Forest & Moro Rock

Wir haben einige lohnende Wanderrouten ausfindig gemacht und steuern per Shuttlebus zuerst das Giant Forest Museum an, wo sich neben der größten Ansammlung von Sequoias auch eine lohnende Ausstellung befindet, die wir uns später am Tag anschauen.

Anstatt auf den Anschlussbus zu warten entscheiden wir uns aber spontan, die Strecke zum Moro Rock zu Fuß zu absolvieren. Auch heute sind wir auf dem Wanderweg fast völlig alleine, abgesehen von weiteren Rehen, jeder Menge Streifen- und Eichhörnchen und einem farbenfrohen Specht. Alle Tiere hier zeigen kaum Angst vor Menschen und laufen uns fast von selbst vor die Kamera.

Sequoia
Ausblick vom Hanging Rock. Unten sieht man die Serpentinen der Zufahrtstraße zum Park

Der Wanderweg führt uns zuerst zum Hanging Rock, einem Felsbrocken, der an der Kante eines Abgrunds balanciert und dann zum Moro Rock, einem Granitfelsen mit großartigem Blick über das Tal und die umliegenden Berge, dessen rund 100 Meter man auf einem schmalen Weg und Treppen erklettern kann. Nach dem Ausflug zum Gipfel entscheiden wir uns wieder gegen den Bus und folgen stattdessen dem Sugar Pine Trail, der uns nach drei Meilen zum Crescent Meadow, einer sehr beliebten Lichtung inmitten dichten Nadelwaldes führt.

Bärenalarm!

Am Crescent Meadow entdecken wir Bär Nummer zwei, der mitten auf der Lichtung im hohen Gras sitzt, und von den Hunderten fotografierenden Touristen am Waldrand offensichtlich nicht zu stören ist. Wir biegen schnell wieder in den Wald ab, wo neben einzelnen Sequoias eine weitere Lichtung mit Tharp’s Log, der in einen gefällten Sequoia-Stamm gehauenen Hütte eines ehemaligen Einsiedlers auf uns wartet.

Sequoia
Crescent Meadow

Auf dem nächsten Abschnitt des Weges passieren wir ein junges Paar, dass einige Meter weiter plötzlich erschrocken aufschreit: keine 15 Meter neben uns läuft ein Bär parallel zum Fußweg. Glücklicherweise interessiert er sich überhaupt nicht für uns und verschwindet kurz darauf im Unterholz. Wir sind fasziniert von der Begegnung, aber auch froh, unsere am Vortag erlernten Bären-Abwehrtechniken (Lärmend und frontal auf den Bären zu laufen, um ihn in die Flucht zu schlagen) nicht anwenden zu müssen.

Sequoia
Offensichtlich sind wir für den Bären uninteressant. Umgekehrt gilt das nicht, wir sind aber froh, dass er weiter zieht

Wir fahren per Shuttle zurück zum Giant Forest Museum, besuchen die dortige Ausstellung, laufen noch den Big Trees Trail ab, der auf einer knappen Meile eine schöne Lichtung umrundet und fahren zurück nach Lodgepole. Dort rüsten wir uns im Laden noch mit Kerzen für den dunklen Abend aus und ich entschließe mich, einen Kühlschrankmagneten mit dem Logo des Parks zu kaufen, was ich mir auch für die folgenden National Parks vornehme. Der Mensch ist eben ein Sammler 🙂

Tahrp’s Log ist eine in einen umgestürzten Sequoia-Stamm gehauene Behausung
Unser Bär ist zum Glück ein kleines Exemplar
Feierabend, Abendessen und Fazit zum Sequoia

Für das Abendessen ist Selbstverpflegung geplant, wir fahren zurück zum Campground und genießen unsere Wraps heute mit neuen Kombinationen von Schinken, Käse, Avocado und Chilisoße. Dank der Kerzen bleibt sogar Gelegenheit für etwas Urlaubslektüre, bevor wir vor der frostigen Nacht ins Zelt flüchten.

Mein Fazit unseres ersten National Parks ist durchweg positiv: Der Sequoia ist zwar gut besucht, aber nicht überlaufen. Es gibt viele Tagestouristen, aber morgens und abends nimmt der Andrang deutlich ab. Außerdem muss man in der Regel nur einige Meter weitergehen, die Menschenmassen bleiben hinter einem zurück. Die üppige Waldlandschaft und dazwischen die rostbraun schimmernden Baumriesen sind umso faszinierender, wenn man sie in Kontrast zur trockenen und nur spärlich bewachsenen Landschaft am Fuß des Gebirges sieht. Hier wird offensichtlich von staatlicher Seite viel für den Erhalt der Natur und der Tierwelt getan, erschreckend war dennoch, wie unbedacht viele Touristen agieren, zum Beispiel wenn sie trotz des Shuttlebus-Services das eigene Auto nicht stehen lassen konnten.



Wanderung Moro Rock Trail: 2 Meilen / 3,2 Kilometer
Wanderung Sugarpine Trail: 5 Meilen / 8 Kilometer
Wanderung Big Trees Trail: 0,7 Meilen / 1,2 Kilometer

Frühstück: 16,50 $
Souvenirs: 5,75 $
Kerzen: 3,88 $
Campground: 22,00 $

Michael

Hallo, ich bin Michael. Wenn ich nicht im Alltag mit Statistiken und Zahlen jongliere genieße ich es, die Welt zu erkunden.

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