Zion NP und Wanderung durch die Zion Narrows

Von Michael
Dieser Post ist Teil der Serie Bizarre Natur in Utah: Zion und Bryce Canyon & Capitol Reef National Parks
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Wer früh aufstehen will sollte sich einen Wecker stellen. Haben wir nicht gemacht, dementsprechend sind wir auch erst gegen halb neun langsam auf den Beinen. Da wir gestern aber noch unsere Unterkunftsfrage für heute geklärt und uns gegen Camping entschieden haben ist das nicht weiter wild. Wir packen zusammen und brechen zum gute 60 km entfernten Zion National Park auf.

Springdale, Visitor Center & Warteschlangen

Der Zion ist einer der beliebtesten National Parks der westlichen USA und besteht aus dem Zion Canyon als Hauptteil und den weiter nördlich gelegenen Kolob Canyons. Wie über 90 % der Besucher steuern wir nur den Hauptteil des Parks an. Wegen des gewaltigen Besucherandrangs wurde der Canyon in den 90er Jahren für Privatfahrzeuge gesperrt und ein Shuttleservice eingerichtet, der alle wichtigen Punkte des Parks im zehnminütigen Takt anfährt.

Als wir gegen halb zehn in Springdale am Eingang zum Park ankommen ist der Hauptparkplatz schon komplett belegt, auch der Campingplatz den wir angepeilt hatten ist um diese Zeit schon ausgebucht. Also alles richtig gemacht. In Springdale gibt es weitere Parkplätze, die aber privat betrieben und kostenpflichtig sind. Wir zahlen 10 $, uns beschleicht aber der Eindruck, die einzigen zu sein, die keinen kostenlosen Parkplatz gefunden haben.

Am Parkeingang können wir dank unseres Jahrespasses an der mehrere 100 Meter langen Schlange vorbeilaufen und kommen unter bösen Blicken ohne Wartezeit rein 🙂 Zum Start folgen die üblichen Besorgungen: Visitor Center ansteuern, Infomaterial abgreifen, Ausstellung ablaufen, Magnet kaufen und Wasser auffüllen. Dann steigen wir in das nächste Shuttle und lassen uns in den Canyon fahren.

Abkühlung in den Zion Narrows

Für die beiden Tage, die wir hier verbringen wollen, haben wir uns jeweils ein Highlight vorgenommen. Das Heutige ist die Wanderung durch die Zion Narrows: An seinem oberen Ende verengt sich der durch den Virgin River gebildete Zion Canyon so stark, dass er komplett durch den Fluss ausgefüllt wird. Von dort aus gibt es natürlich keine Wege mehr, man kann aber direkt im maximal hüfthohen Wasser noch über 5 Kilometer dem Flussverlauf folgen. Die Wanderung ist extrem beliebt und auch die Parkzeitung widmet ihr eine komplette Seite mit Informationen. In Springdale machen diverse Läden ihren Hauptumsatz mit dem Verleih von Wanderstöcken und Neoprenschuhen an Besucher. Wir halten das für unnötig und wollen die Wanderung mit unseren normalen Wanderschuhen absolvieren, die  bei sonnigem Wetter und Temperaturen über 35°C wieder schnell trocknen sollten. Barfuß zu laufen geht nicht, da das Flussbett voller – teils scharfkantiger- Steine ist.

Die Busfahrt zum Ende des Canyons führt uns an allen Sehenswürdigkeiten des Parks vorbei. Die mormonischen Siedler, die den Canyon im 19. Jahrhundert entdeckten, waren von der Landschaft derart beeindruckt, dass sie die Felsformationen nach biblischen Personen und Ereignissen benannten. Deshalb führt die Straße vorbei an Stationen wie dem Court of the Patriarchs, Angels Landing und dem Great White Throne. Faszinierend ist die Tierwelt und üppige Vegetation hier im Canyon, während oben auf dem Hochplateau Wüstenklima herrscht. Der untere Teil der Felswände besteht aus rotem Stein, während die Spitzen der Gipfel aus weißem Sandstein bestehen. Ich möchte mir nicht ausmalen, wie das Chaos hier ausgesehen haben muss, solange noch Besuchermassen mit dem eigenen Auto die enge Stichstraße in den Canyon befahren durften.

Am Temple of Sinawava, einer halbkreisförmigen Felswand, die das Ende des Canyons bildet, steigen wir aus und folgen dem Weg zuerst entlang des Flusses. Am Einstieg in die Narrows warnt erneut ein Schild vor der Gefahr plötzlicher Sturzfluten. Heute ist das Risiko minimal, trotzdem sollte man sich darauf einstellen, bei plötzlichem Regen den Canyon sofort zu verlassen. Wir schließen uns den Massen anderer Wanderer an und steigen in den Fluss. Das Wasser ist kühl und angenehm und reicht uns selten höher als auf halbe Wadenhöhe. Nur an zwei etwas tieferen Stellen steigt der Pegel kurz bis über die Knie. Außer uns ist eine echte Völkerwanderung auf dieser beliebten Strecke unterwegs, wir sehen viele Familien mit Kindern, die oft auch einfach den Fluss zum Baden nutzen. Erst nach einigen Kilometern wird es langsam etwas ruhiger.

Am Einstieg in die Narrows sind noch Menschenmassen unterwegs, weiter Flussaufwärts wird es dann leerer
Zwischendurch gib es immer wieder stellen, an denen man neben dem Fluss laufen kann
Mich überrascht vor allem, wie viele Familien mit Kindern hier unterwegs sind
Wir haben die meisten anderen Wanderer hinter uns gelassen
Je weiter wir kommen, desto enger wird der Canyon
Der Fluss hat die Felsen stellenweise abenteuerlich ausgewaschen
Tief im Canyon
Eine der tieferen Stellen
Bei 35°C ist die Wanderung durch den Fluss die perfekte Wahl
Ein Wanderstock ist zu empfehlen, wir hatten leider keinen und kamen trotzdem ohne Unfall ans Ziel
Ein Rock Squirrel beäugt uns, während unsere Schuhe trocknen
Einstieg in die Narrows
Zion Narrows

Wir folgen der Schlucht bis zur Einmündung des Orderville Canyons und drehen dann um, unterwegs legen wir an einer trockenen Stelle eine kurze Mittagspause ein. Die Wanderung ist nicht sehr anstrengend, da wir aber keine Wanderstöcke haben müssen wir uns stellenweise sehr vorsichtig fortbewegen, um auf den Steinen unter Wasser nicht abzurutschen und ein Vollbad zu nehmen. Mit unseren Wanderschuhen kommen wir wunderbar zurecht, ein Stock wäre aber im Nachhinein kein Luxus gewesen. Die Wanderung war für mich ein echtes Highlight und ich würde sie jedem empfehlen.

Wir kommen nach guten drei Stunden weitgehend trocken wieder am Ende der Narrows an und legen uns und unsere nassen Schuhe in die Sonne. Hier wimmelt es von Eichhörnchen, die trotz Warnschildern eindeutig überfüttert wirken und keine Scheu haben, in offene Rucksäcke zu klettern. Sie sehen zwar putzig aus, beißen aber gerne und übertragen dabei leider auch unschöne Krankheiten.

Zion NP
An der Zion Lodge gönnen wir uns ein spätes Mittagessen
Essen, Einkaufen & Chillen am Hotelpool

Wieder trocken fahren wir zur Zion Lodge und schauen uns das dortige Essensangebot an. Die böse Vorahnung auf Basis unserer Erfahrungen aus dem Sequoia NP bewahrheiten sich nicht, ich gönne mir einen frischen und leckeren Burger für happige aber hier angemessene 9 $ und wir genießen noch ein wenig die Sonne auf dem Rasen vor der Lodge. Für heute wollen wir keine weitere Wanderung in Angriff nehmen und steuern deshalb wieder unser Auto und die Unterkunft im 30 km entfernten Hurricane an, die mit einem Pool lockt.

Hurricane
Unser Motel in Hurricane – mit Pool 🙂

Vor dem Sprung ins kühle Nass ist noch ein Abstecher zu Walmart nötig, wo wir uns für den Abend eine Packung Ben & Jerry’s-Eis gönnen. Die Sorte Peanut Butter Cup haben wir in Deutschland noch nicht gefunden, sie ist absolut tödlich 🙂 Für diejenigen, deren Bedarf an Abendessen noch nicht gestillt ist, folgt noch ein Stopp bei McDonalds, wo wir unsere Sammlung von Minions weiter aufstocken. Für alle die hier langsam die Meinung entwickeln, dass unsere Essenswahl etwas unausgewogen sein könnte: Absolut. Aber die Alternativen sind leider rar und bewegen sich preislich oft auf Gourmetniveau. Und jeden Tag Steak ist auch wenig zufriedenstellend. Wir kompensieren möglichst viel über frisches Obst, das wir reichlich als Tagesration einpacken.

Wir checken im Motel ein, nehmen uns unser frisch erstandenes Eis vor und nutzen für den Rest des Abends ausgiebig die Vorzüge des kühlen Hotelpools.



St. George nach Springdale: 39 Meilen / 63 Kilometer
Wanderung durch die Zion Narrows: 5,6 Meilen / 9 Kilometer
Springdale nach Hurricane: 22 Meilen / 36 Kilometer

Parkplatz: 10,00 $
Burger: 9,00 $
Walmart: 19,04 $
McDonalds: 11,55 $
Motel: 82,00 $

Michael

Hallo, ich bin Michael. Wenn ich nicht im Alltag mit Statistiken und Zahlen jongliere genieße ich es, die Welt zu erkunden.

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