Zion NP, Angels Landing und Emerald Pools Trail

Von Michael
Dieser Post ist Teil der Serie Bizarre Natur in Utah: Zion und Bryce Canyon & Capitol Reef National Parks
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Heute sind wir um sieben Uhr auf den Beinen. Auf dem Plan steht die Wanderung der Wanderungen: Die Besteigung von Angels Landing. Um dafür gerüstet zu sein wollen wir heute vom Frühstück im Motel mitnehmen, was zu holen ist. Wie so oft klingt das Angebot besser als die Realität: Es gibt zwar Toast, Brotaufstrich, Müsli,Cornflakes und frische Waffeln, allerdings hat der Frühstücksraum die Größe eines normalen Hotelzimmers, was die faktische Inanspruchnahme zu einem Ding der Unmöglichkeit macht 🙂 Wir schlagen uns die Pappteller voll und setzen uns auf dem Parkplatz in die Sonne.

Die 36 km Strecke zum Parkeingang sind schon Routine, heute bekommen wir aber problemlos einen Parkplatz und sitzen bald im Shuttlebus, der uns in den Canyon zur Haltestelle The Grotto bringt, von wo unser Weg startet. Hier gibt es auch Toiletten und die Möglichkeit, den Wasservorrat aufzufüllen.

Angels Landing

Die Tour auf Angels Landing ist die anstrengendste Wanderung im Zion National Park und wird nur für schwindelfreie Menschen empfohlen. Es wird zu Recht empfohlen, die Tour möglichst früh am Tag zu beginnen, bevor die Temperaturen zu sehr ansteigen.

Zion NP
Da wollen wir hoch: Schon am Start unten im Canyon haben wir das Ziel vor Augen

Der Weg verläuft zunächst ein Stück auf der Sohle des Canyons entlang des Virgin River, bevor er über steil in den Fels gehauene Kehren zuerst den schattigen Refrigerator Canyon und dann über weitere Kehren den Scout’s Overlook auf einer Schulter des Canyon-Randes erklimmt. Von dort aus geht es auf einem schmalen, stellenweise keine zwei Meter breiten Grat hinauf zur Spitze von Angels Landing, einem in den Canyon vorspringenden Felsrücken. Die Strecke hin und zurück ist insgesamt zwar nur rund 6 km lang, überwindet aber eine Höhendifferenz von 453 m. Wir rüsten uns mit reichlich Wasser und Proviant aus, neben Obst und Bagels nehmen wir Studentenfutter für zwischendurch mit. Ebenfalls ins Gepäck gehören Sonnenschutz und eine Mütze.

Obwohl wir früh aufbrechen ist es schon sehr heiß. Der erste Teil des Weges ist vom Schwierigkeitsgrad aber noch harmlos. Das erklettern des ersten Teils der Canyon-Wand ist vor allem deshalb anstrengend, weil es auf der Strecke keine schattigen Stellen mehr gibt und man der Hitze schutzlos ausgesetzt ist. Dafür entschädigt aber der Weg durch den Refrigerator Canyon, wo der Weg mit sanfter Steigung zwischen zwei Felswänden verläuft und wo immer eine kühle Brise weht. Deshalb wohl berechtigterweise der Name. Nach dem nächsten steilen Anstieg erreichen wir den Scout Overlook mit einem fantastischen Blick auf die Biegung des Virgin River tief unter uns und das obere Ende des Zion Canyon.

Zion NP
Der Virgin River in seiner Schleife um Angels Landing herum

Der restliche Teil des Weges wirkt dafür umso einschüchternder: Der Grat, der zur Spitze von Angels Landing führt, liegt jetzt direkt vor uns und für den Rest des Weges liegen links und rechts von uns jeweils mehr als 300 Meter Abgrund. Außerdem haben wir noch mindestens ein Drittel der zu absolvierenden Höhenmeter vor uns. Fast die Hälfte der Wanderer kehrt deshalb auch an dieser Stelle um.

Zion NP
Ab hier ist Schwindelfreiheit gefragt

Nach einer ausgiebigen Pause wagen wir uns weiter vor. Der Grat zwischen den Abgründen ist zwar an vielen Stellen nur gut einen Meter breit, an den Engstellen gibt es aber eine im Fels verankerte Kette als Halt. Schwierig ist an vielen Stellen der Gegenverkehr vom Gipfel, so dass wir nur langsam vorwärts kommen. Die Höhe macht mir überraschenderweise keine Schwierigkeiten. Wir arbeiten uns langsam vorwärts, genießen die immer neuen Ausblicke und erreichen irgendwann den Gipfel auf 1765 Metern Höhe. Hier bietet sich ein 365°-Rundumblick über den Canyon, den wir voll auskosten. Den Höhenrausch feiern wir mit einer Runde belegter Bagels und beobachten die hier oben zahlreich herumhuschenden Rock Squirrels, die aber nicht ganz so aufdringlich und überfressen sind wie ihre Verwandten im Tal.

Kein Raum für Fehler: Links und rechts geht es jeweils 300 Meter abwärts
Dank der Ketten ist die Tour problemlos ohne spezielle Ausrüstung zu schaffen. Pflicht sind aber Kondition und ordentliche Wanderschuhe
Der Weg nach unten ist fast anstrengender als der Aufstieg
Hier erkennt man gut die verschiedenen Sandsteinformationen im Canyon: Unten Rot, oben Weiß
Die Ketten im Fels sind die einzige Hilfestellung an steilen Abschnitten
Kakteen… hier oben merkt man, dass wir immer noch in der Wüste sind

Der Weg zurück nach unten ist kaum weniger anstrengend als aufwärts und man blickt diesmal fast durchgehend in den Abgrund. Nach insgesamt dreieinhalb Stunden sind wir aber wieder wohlbehalten zurück im Tal und gönnen uns eine kalte Dusche aus dem Wasserhahn neben der Bushaltestelle.

Das Fazit: Körperlich anstrengend, als einigermaßen fitter Mensch aber gut machbar. Man sollte allerdings für den letzten Abschnitt definitiv schwindelfrei sein, sonst kommt man nicht weit. Als Belohnung winkt ein Ausblick, den man in jedem Fall so schnell nicht wieder vergisst.

Emerald Pools Trail

Unser Weg führt uns zuerst zur Zion Lodge, wo wir uns neben einem Eis auch einen kleinen Mittagssnack gönnen. Zum Zurückfahren ist es noch deutlich zu früh und wir fühlen uns trotz der Strapazen noch nicht am Ende, deshalb nehmen wir uns noch als kurze Wanderung den Emerald Pools Trail vor, der direkt an der Zion Lodge beginnt. Über drei Kilometer führt er uns durch dichte Vegetation zu drei übereinanderliegenden und durch Wasserfälle verbundene Teiche, die sich aus Quellen in der Wand des Canyons speisen und eine grüne Oase in der Wüstenumgebung bilden.

Hier sind deutlich mehr Menschen unterwegs, die sich leider auch nicht im geringsten um die Regeln scheren, zum Beispiel dass das Baden in den Teichen, die eine wichtige Wasserquelle für die hier lebenden Tiere sind, verboten ist. Für manche Menschen ist eben überall Disneyland… Die Tour lohnt sich aber trotzdem und wir sehen auch überraschend viele Tiere, zum Beispiel Rehe, die im Virgin River baden.

Entspannen in Hurricane

Für unser Gefühl haben wir jetzt alle lohnenden und machbaren Strecken absolviert, wir brechen deshalb gegen 16 Uhr nach Hurricane auf.

Zion NP
Im Shuttlebus entdeckt: Diät für Squirrels?

Unser Plan, uns heute Abend den Minions-Film im Kino anzuschauen geht leider nicht auf, da die online gefunden Zeiten sich vor Ort als falsch herausstellen. Ich stelle auch zum wiederholten Mal fest, dass US-amerikanische Siedlungen absolut ungeeignet für Fußgänger sind. Sogar die kleine Nebenstraße, an der unser Motel liegt, hat die Breite einer deutschen Bundesstraße und ich will mir nicht vorstellen, wie viele Ampelphasen ältere Menschen brauchen würden, um sie zu überqueren. Soweit so schade, aber wofür gibt es den Hotelpool? 🙂

Dort gesellt sich etwas später eine Mutter aus Los Angeles mit ihren beiden kleinen Kindern und ihrer eigenen Mutter zu uns und wir kommen ins Gespräch. Wir amüsieren uns, dass wir uns vor Ort offensichtlich deutlich besser auskennen als sie, denn sie fragt uns, was man in der Gegend von Hurricane so alles machen könne. Wir legen ihr die Wanderung durch die Zion Narrows ans Herz,die sich auch mit Kindern meistern lässt. Ich entdecke wieder die für mich typische amerikanische Eigenart, im Gespräch extrem freundlich, interessiert und offen zu sein, aber gleichzeitig kaum Inhalt auszutauschen. Klassischer Small Talk eben. Der kleine Dante kennt da nichts und antwortet auf die Information, dass wir aus Deutschland kommen nur mit „I don’t like Germans“, was seiner Mutter sichtlich peinlich ist 😀

Wir besuchen nochmal Mc Donalds (ja, schon wieder) und fügen unserer Sammlung von Minions drei neue Exemplare hinzu. Danach gönnen wir unseren geschundenen Waden auch eine Pause und fallen in die Betten.



Hurricane nach Springdale: 22 Meilen / 36 Kilometer
Wanderung auf die Spitze von Angels Landing: 3,7 Meilen / 6 Kilometer
Wanderung zu den Emerald Pools: 1,9 Meilen / 3 Kilometer

Zion Cafeteria: 12,00 $
Postkarten: 2,00 $
McDonalds: 11,55 $
Motel: 82,00 $

Michael

Hallo, ich bin Michael. Wenn ich nicht im Alltag mit Statistiken und Zahlen jongliere genieße ich es, die Welt zu erkunden.

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