Nevada, Valley of Fire und St. George

Von Michael

Wir starten heute in die zweite Hälfte unseres Roadtrips und brechen zu unserer Schleife durch die Bundesstaaten Utah und Arizona auf. Nach zwei Nächten in unserem Ferienhaus in Pahrump dauert heute aber das Packen und Zusammensuchen unserer Sachen etwas länger, wir haben unsere komfortable Unterkunft sehr genossen und uns dementsprechend ausgebreitet. Unsere AirBnB-Gastgeberin Kathleen haben wir zwar nicht persönlich kennengelernt, sie stand uns aber bei Fragen immer schnell und hilfreich per SMS mit einer Antwort zur Seite.

Wir stocken zunächst bei Albertsons unsere Vorräte auf und decken uns neben Wasser wieder mit allem Nötigen für die nächsten beiden Tage ein. Für den heutigen Abend haben wir ein Motel in St. George im Süden von Utah reserviert, das uns als Sprungbrett zum nahe gelegenen Zion National Park dienen soll, wo wir wieder campen wollen. Unser Postkartenproblem verfolgt uns ebenfalls noch. Das Post Office in Pahrump hat aber endlich sowohl geöffnet als auch Briefmarken vorrätig. Briefmarken mit Weihnachtsmotiv. Die Postbeamtin hinter dem Schalter findet das ähnlich komisch wie wir und wir sind froh, die Karten nach einer Woche endlich abschicken zu können 🙂

Vegas, Baby!

Jetzt können wir Pahrump hinter uns lassen und fahren auf kerzengeraden Highways zunächst Richtung Las Vegas. Den ersten Blick auf das finale Ziel unseres Roadtrips können wir werfen, als wir eine felsige Bergkette überqueren und die Hoteltürme der Stadt plötzlich wie eine Fata Morgana inmitten riesiger gleichförmiger Einfamilienhaussiedlungen und Wüstenlandschaften vor uns auftauchen. Ein zugegebenermaßen beeindruckender Anblick, aber mein nächster Gedanke gilt gleich der Frage, wo das Wasser für so eine Zahl an Menschen, Touristen, Vorgärten und Golfplätzen in dieser kargen Landschaft herkommen soll (hier ein überraschend positiver Artikel dazu). Immerhin wohnen in Las Vegas drei Viertel der Bevölkerung des Bundesstaates Nevada.

Aber für heute passieren wir die Stadt vorerst nur auf der Interstate 15, kommen aber schon direkt an den bekannten Hotels und dem Las Vegas Strip vorbei. Meine besonderen Favoriten sind die riesigen Werbeschilder entlang der Autobahn, die abwechselnd für eine Zahnarztpraxis mit Spezialisierung auf Schönheits-OPs und einen schmierig wirkenden Anwalt für Personenschäden werben. Ich muss dabei an den Anwalt Stan von Stan’s Time Sharing aus dem PC-Klassiker Monkey Island denken.

Valley of Fire – ein Name, der Warnung sein sollte

Nach Las Vegas führt uns die Interstate schnell wieder in die Wüste. Alle Autos, die wie wir Richtung Osten fahren, sind blitzblank sauber, während die Meisten Fahrzeuge aus Richtung Utah mit rotem Staub bedeckt sind. Wir biegen auf halber Strecke nach St. George in Richtung des Valley of Fire State Parks ab, den wir uns heute als Abwechslung zur langen Autofahrt ausgesucht haben. Bekannt ist er vor allem wegen seiner Sandsteinformationen in knalligen Rot-Tönen und Felszeichnungen von Ureinwohnern. Da der Park in die Obhut des Staates Nevada fällt, gilt hier unser Jahrespass des National Park Service nicht und wir zahlen am Eingang 10 $.

Valley of Fire SP
Schon der erste Blick auf das Valley of Fire lässt wegen des Namens vorerst keine Fragen offen

Das Valley of Fire ist ein klassischer Drive-Through-Park mit einem Scenic Drive, der als Hauptroute an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten vorbeiführt und mehreren Stichstraßen zu abgelegeneren Zielen. Jetzt am späten Vormittag sehen wir kaum andere Besucher und haben die Straße fast für uns. Wir stoppen nacheinander an den Beehives, einer Formation aus knallroten rundlichen Felsen, die an Bienenkörbe erinnern sollen und am Atlatl Rock, wo man über eine Treppe im Fels einige prähistorische Felszeichnungen ansehen kann. Dort gibt es auch einen schattigen Picknickplatz, den wir für ein kleines Mittagessen nutzen.

Auch der Jeep muss kurz durchschnaufen
Atlatl Rock
Besuch zum Mittagessen
Sandstein
Felszeichnungen am Atlatl Rock
Roter Sandstein und schwarze Berge
Die meisten Wanderungen werden nur für den frühen Vormittag empfohlen, bevor die Hitze zuschlägt

Die Temperaturen nähern sich auch heute wieder den 40°C und wir wundern uns nicht, dass die Campingplätze im Park allesamt leer sind, da man hier keinerlei Schutz vor der Sonne hat. Auf dem Weg zum Visitor Center kommen nach jeder Kurve neue faszinierende Felsformationen ins Blickfeld. Faszinierend ist vor allem der Kontrast zwischen leuchtend rotem Sandstein, gelblichem Wüstenboden dazwischen und den schwarzen Bergen am Horizont.

Das Visitor Center (klimatisiert, Kälteschockgefahr!) finden wir diesmal nur mäßig spannend. Wir informieren uns nur über weitere sehenswerte Ecken im Park und biegen dann auf die White Domes Road ab, die uns durch einen roten Sandstein-Canyon zum Rainbow Vista Point führt, wo sich plötzlich noch die Farben Gelb und Weiß zur Farbpalette der Felsen gesellen. Für mich auf jeden Fall eine der spektakulärsten Landschaften des ganzen Urlaubs.

Unser eigentliches Ziel, die Fire Waves, verpassen wir leider im Eifer des Gefechts. Am Ende der Stichstraße versuchen wir uns noch an einer kurzen Wanderung auf dem White Domes Trail, drehen aber nach einem Kilometer um, weil der Weg durch tiefen Sand führt und uns die Mittagshitze extrem zu schaffen macht.

Wir bringen unseren Wasserhaushalt wieder ins Gleichgewicht und fahren auf dem Scenic Drive in Richtung des östlichen Parkausgangs. Hier sollte eigentlich laut Karte ein Blick auf den Lake Mead möglich sein, wie sehen aber meilenweit nur öde leere. Wegen der Dürre ist der Pegel des Stausees in den letzten Jahren immer weiter gefallen und der komplette nördliche Arm liegt aktuell trocken. Einziges Überbleibsel sind einige jetzt ins Leere führende Bootsstege. Nur die benachbarten Golfplätze geben sich weiter unbeeindruckt und trotzen grün der Wüste.

Weiter nach Utah

Zurück auf der I 15 verlassen wir Nevada und durchqueren die Nordwestecke von Arizona. Hier folgt die Interstate dem Verlauf des Virgin River, der eine beeindruckende Schlucht durch die Felsen geschnitten hat. Vorsicht: Der Staat Arizona nutzt diese wichtige Strecke erfolgreich dazu, sein chronisches Haushaltsloch zu stopfen. Hier liegen immer mehrere Fahrzeuge der Highway Patrol auf der Lauer nach Temposündern. Da die Strecke auch noch größtenteils als Baustelle ausgewiesen ist, wird hier gleich das doppelte Bußgeld fällig.

Kurz hinter der Staatsgrenze von Utah (ab hier gilt Mountain Time, wir stellen die Uhren eine Stunde vor) erreichen wir St. George, mit ca. 80000 Einwohnern die größte Stadt im Süden Utahs und sehr beliebt als Alterswohnsitz für Senioren. Der Check-In in unser Motel (das wahrscheinlich beste der gesamten Tour) ist heute sehr persönlich: Wir kommen mit dem Besitzer, einem jungen Einheimischen mit eindeutig skandinavischen Wurzeln, ins Gespräch und unterhalten uns eine geschlagene Stunde lang über St. George, Sehenswürdigkeiten in der Stadt, die wir uns abends noch anschauen könnten, unser nächstes Ziel im Zion NP und bekommen den Tipp, uns unbedingt noch den lokalen Sport-/Waffen-Superstore anzuschauen, da es so etwas in Europa ja nicht gibt 🙂 Auch die anderen Menschen, die wir in Utah treffen, machen auf uns einen offenen und sehr herzlichen Eindruck, man merkt aber, dass wir hier in einem der konservativsten Bundesstaaten der USA sind.

Nachdem wir dann unseren Zimmerschlüssel haben, trennen wir uns: Nach der Aussage des Motelbesitzers, dass wir für Chancen auf einen First-Come-First-Served-Campingplatz im Zion spätestens um 9 Uhr vor Ort sein müssten, kümmere ich mich um eine stressfreiere Alternative. In Hurricane, etwa 30 km vor dem Parkeingang findet sich tatsächlich ein extrem günstiges Motel mit Pool für die nächsten beiden Nächte und wir verabschieden uns vorerst vom Camping. Nico und Christopher werfen in der Zwischenzeit wie empfohlen einen kritischen Blick in den Waffenladen, suchen aber an dem Punkt, an dem sie eine wenig vertrauensvolle junge Dame bei Zielübungen mit diversen Waffen beobachten müssen, das Weite. Ein Punkt der US-Kultur, mit dem wir uns nicht weiter befassen müssen. Die Beiden statten noch Walmart einen Besuch ab und kommen zurück ins Motel.

Der Abend sorgt langsam für angenehmere Temperaturen und wir brechen zu einem Spaziergang durch das Stadtzentrum auf. Die Innenstadt von St. George bietet ein fast perfektes Kleinstadt-Idyll. Neben einigen öffentlichen Gebäuden im Neuengland-Stil kommen wir am ehemaligen Wohnhaus des Mormonenführers Brigham Young vorbei. Ein Stück weiter sehen wir den St.George Temple, das mormonische Heiligtum der Stadt, das aber nur von gläubigen Mormonen und auch nur auf Einladung eines Geistlichen betreten werden darf. Aber auch von außen wirkt der strahlend weiße Bau beeindruckend auf uns.

St. George
Der mormonische Tempel in St. George macht einiges her

Der Rückweg führt uns vorbei an sehr akkuraten Vorgärten und Wohnhäusern, auf den Straßen sind gefühlt die Bürgersteige hochgeklappt. Dementsprechend stellen wir uns auf einen frühen Aufbruch am Morgen ein und fallen in die sehr bequemen Betten.



Pahrump zum Valley of Fire: 111 Meilen / 179 Kilometer
Valley of Fire nach St. George: 94 Meilen / 151 Kilometer

Albertsons: 32,69 $
Tankfüllung: 17,58 $
Valley of Fire: 10,00 $
Tankfüllung: 21,23 $
Motel: 76,67 $

Michael

Hallo, ich bin Michael. Wenn ich nicht im Alltag mit Statistiken und Zahlen jongliere genieße ich es, die Welt zu erkunden.

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