Zurück aufs Festland nach Ullapool

Von Michael
Dieser Post ist Teil der Serie Isle of Harris & Lewis
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Zum Abschied von den Inseln steht heute Entschleunigung an: Statt mit fünf Buslinien und Fahrplänen zu jonglieren müssen wir heute nur die Fähre nach Ullapool auf dem Festland erwischen, die keine 500 Meter vom Hostel entfernt anlegt. Abgesehen davon bleibt nur, uns in Stornoway umzuschauen.

Vormittag in Stornoway

Zum ersten Mal seit Portnalong können wir heute auch wieder ausgiebig ausschlafen. Die meisten anderen Gäste haben schon ausgecheckt, deshalb haben wir den Tisch im schönen Hinterhof des Heb Hostel heute komplett für uns. Für ein Hostel-Frühstück ist das Angebot überdurchschnittlich, es gibt neben Toast auch Wurst, Käse und reichlich Cornflakes. Für heute ist leider auch ein Wetterumschwung angekündigt, nach einer Woche blauem Himmel soll erstmals Regen fallen. Zum Frühstück ist davon aber zum Glück noch nichts zu merken.

Gegen 11 Uhr verlassen wir das Hostel und sehen uns noch ein wenig in der Innenstadt von Stornoway um. Da wir die Fußgängerzone schon gestern kennen gelernt haben steuern wir den Park um Lews Castle an. Der riesige Baumbestand hier wirkt immer noch fehl am Platz. Aber seit gestern wissen wir immerhin, dass die Äußeren Hebriden in prähistorischer Zeit komplett bewaldet waren, bis die Wälder nach und nach gerodet wurden und die Torfmoore ihren Platz eingenommen haben. Das Herrenhaus selbst kann leider nicht besichtigt werden und wird gerade umgebaut.

Überfahrt nach Ullapool

Nachdem wir alle interessant aussehenden Anlaufpunkte absolviert haben und auch die Vorräte aufgestockt sind bleibt uns immer noch eine gute Stunde Zeit bis zum Ablegen der Fähre nach Ullapool. Da jetzt auch ein leichter Sprühregen aufzieht suchen wir uns einen Platz im Fährterminal und nutzen die Vorzüge des guten WiFi-Netzes, um uns über den Lauf der Welt seit Beginn der Reise schlau zu machen.

Als wir gegen 14 Uhr an Bord gehen ist die Umgebung hinter einer grauen Wand aus Dunst und Nebel verschwunden. Die nächsten knapp drei Stunden der Überfahrt verbringen wir größtenteils unter Deck, gönnen uns ein Mittagessen im Bordrestaurant und versuchen nur kurz, durch die Nebelsuppe einen Blick auf die Umgebung zu werfen. Wir kommen entsprechend etwas dösig gegen 16:45 Uhr in Ullapool an, nachdem sich die CalMac-Fähre den schmalen Fjord des Loch Broom entlang gequält hat.

Das wahrscheinlich städtischste Dorf der Highlands

Ullapool ist zwar abgesehen von Inverness die größte Siedlung in den nördlichen Highlands, umfasst damit aber auch nicht mehr als 1500 Einwohner. Die Siedlung wurde erst Ende des 18. Jahrhunderts auf einer kleinen flachen Halbinsel am Ufer des Loch Broom als Hafen für die Heringsfischerei gegründet und wurde planmäßig mit einem rechtwinkligen Straßennetz angelegt. Der Fischereihafen ist weiter das Zentrum des geschäftigen Ortes. Wegen des Golfstroms ist das Klima hier sehr gemäßigt, wir sehen in der Innenstadt sogar Palmen.

Unsere Unterkunft, das Oakworth Bed & Breakfast (inzwischen leider nicht mehr im Geschäft) liegt vom Hafen gesehen komplett auf der anderen Seite des Orts, wir haben die Stadt aber in weniger als einer Viertelstunde durchquert. Statt unserer Gastgeberin Elaine finden wir an der Tür nur einen Brief, in dem sie uns herzlich begrüßt, das Versteck des Schlüssels verrät und uns mitteilt, dass sie spontan arbeiten muss. Wir werden sie also leider erst zum Frühstück kennenlernen. Bevor wir in die Stadt aufbrechen folgen wir der Einladung ins Haus und nehmen unser Zimmer mit direkt angeschlossenem Bad in Besitz. Daneben können wir als Gäste einen riesigen Wintergarten und ein sehr bequemes Wohnzimmer mitbenutzen. Außerdem stehen wir vor der Aufgabe, aus einer riesigen Zahl von Optionen unser Frühstück für den nächsten Morgen auszuwählen. Die Wahl zwischen lokalem Räucherlachs, Haggis und fünf Varianten von Eiern fällt nicht leicht 🙂

Nachtleben? Eher nicht

Da die gesamte Stadt inzwischen unter einem grauen Schleier liegt, der sich nicht recht entscheiden kann, ob er Nieselregen oder dicker Nebel sein möchte, wollen wir heute die Vorzüge der Zivilisation ausnutzen. Vorher gibt es aber noch als kleines erstes Abendessen eine ordentliche Portion Fish and Chips von The Chippy. Wie gefühlt jeder Fish and Chips-Stand, den wir sehen, wurde auch dieser hier mit Preisen überschüttet. Aber geschmeckt hat es wirklich.

Ullapool
Was für einen Sinn hat ein Pub, der schon um 21 Uhr schließt?

Auf der Suche nach einem Pub werden wir direkt nebenan am Hafen fündig und lassen uns im Seaforth nieder. Bierauswahl und Musik sind gut, aber nicht berauschend. Für unseren Geschmack hören wir im Umkreis auch zu viel deutsch- und zu wenig englischsprachige Konversation. Nach zwei Runden brechen wir auf und erkunden noch eine halbe Stunde lang die Stadt im Dunkeln, leider sind die Bürgersteige hochgeklappt und wir finden keine Möglichkeiten mehr, das Abendprogramm zu verlängern. Soviel zum Thema Zivilisation 😐 Aber es folgen ja noch zwei richtige Städte, in denen man auch nach 21 Uhr noch einen geöffneten Pub finden sollte.



Fähre von Stornoway nach Ullapool: 85 Kilometer

Michael

Hallo, ich bin Michael. Wenn ich nicht im Alltag mit Statistiken und Zahlen jongliere genieße ich es, die Welt zu erkunden.

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