Fahrradtour zum Old Man of Storr

Fahrradtour zum Old Man of Storr

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Dieser Post ist Teil der Serie Isle of Skye
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Nach einer zweiten ruhigen Nacht in Portnalong steht der Abschied vom Skyewalker Hostel an. Meiner Meinung nach hat das Hostel seine Spitzenbewertung absolut verdient, die Betreiberfamilie und das Personal stecken hier offensichtlich viel Liebe und Arbeit in jedes noch so kleine Detail. Das ging so weit, das wir während des Aufenthalts versucht haben, nacheinander alle Toilettenkabinen durchzuprobieren, weil jede mit einem individuellen Spruch, Gedicht oder Rätsel an der Innenseite der Tür aufwartet 🙂 Auch Komfort und Sauberkeit waren natürlich tadellos.

Portnalong
Vor dem Abschied aus Portnalong gönnen wir uns einen sonnigen Vormittag auf dem Rasen des Hostels

Samstags geht leider nur ein Bus, wir haben damit noch bis kurz vor 13 Uhr Zeit, bevor wir aufbrechen müssen. Da wir vom Garten des Hostels aus den Stellplatz des Busses im Blick haben, machen wir uns erst auf den Weg, als wir sehen, dass der Busfahrer sein Haus verlässt. Beim Einsteigen erkennt er uns natürlich wieder und fragt uns aus, wie uns unser Aufenthalt in der Gegend gefallen hat. Auch für unser Ziel Portree hat er noch ein paar gute Tipps parat.

Ab nach Portree

Den Insel-Hauptort Portree erreichen wir schon nach 40 Minuten. Unser heutiges Hostel liegt nur eine Straße vom Dorfplatz entfernt und wir konnten vorab abklären, dass wir unser Gepäck in der Lobby abstellen können, auch wenn die Rezeption erst später wieder besetzt ist (Aus deutscher Perspektive vielleicht leichtsinnig, aber wir passen uns schon nach wenigen Tagen der schottischen Mentalität an, die sich meiner Meinung nach besonders durch Vertrauen und Offenheit gegenüber anderen – auch fremden – Menschen auszeichnet. Unser Vertrauen wird auch im weiteren Verlauf der Reise nicht missbraucht werden). Um sicherzugehen, dass unsere Buchung auch nach 18 Uhr noch gilt, hinterlassen wir noch einen Zettel am Tresen.

Portree
Eine Dudelsack-Combo auf dem Platz in Portree. Mit diesem Instrument werde ich in diesem Leben nicht mehr warm 🙂

Zwei Häuser liegt der Fahrradladen Island Cycles, wo wir für den Nachmittag Fahrräder reserviert haben. Die Räder sehen Top aus und sind nagelneu, dazu gibt es eine Werkzeugtasche, Schlösser und jede Menge Tipps zur Umgebung. Die Räder sollen wir abends nach Ladenschluss einfach in der Seitengasse neben dem Laden abstellen. Bevor wir Portree verlassen decken wir uns noch mit Proviant und vor allem mit Sonnenschutz ein.

Per Fahrrad zum Old Man of Storr

Wir wollen uns heute vor allem vom Zwang der Busfahrpläne lösen und deshalb die nördliche Halbinsel von Skye, Trotternish, auf eigene Faust erkunden. Unsere Tour soll über 12 Kilometer nach Norden führen. Hier gibt es keine Siedlungen, die Strecke bewegt sich aber zwischen Meer und ein paar Seen auf der einen und der Trotternish Ridge, einem nach Osten hin steil abbrechenden Höhenzug, auf der anderen Seite bis zum Old Man of Storr, einer 48 Meter hohen Felsnadel, die einzeln im Schatten der Felswand steht.

Die Straße ist gut ausgebaut, aber abgesehen von einigen Bussen und anderen Radlern kaum befahren. Es geht über einige kurze Steigungen und langgezogene Abfahrten immer oberhalb der Klippen entlang, vor uns können wir schon das Ziel ausmachen. Die Fahrräder sind perfekt in Schuss, das Wetter ist mit blauem Himmel und gut 25°C auch immer noch ungewöhnlich gut. Nach etwa 30 Minuten sind wir entspannt am Ziel.

Eigentlich sollte der Weg hier am Hang durch ein größeres Waldstück führen, an seiner Stelle sehen wir aber nur Baumstümpfe und aufgerissene Erde. Der erste Teil des Weges bietet deswegen zwar schöne Aussichten über die umgebende Insel-Landschaft, wir sind aber froh, als wir weiter oben wieder grüne Wiesen erreichen. Nach einer guten halben Stunde schweißtreibender Kletterei erreichen wir dann den Fuß des Old Man in gut 600 Metern Höhe und legen eine Pause ein. Das Szenario, dass sich uns von hier aus bietet ist unbeschreiblich: Um uns herum sehen wir neben der balancierenden Felsnadel noch weitere Felsformationen, die allem Möglichen ähnlich sehen. Hier kann jeder seinen eigenen Film fahren. Dahinter fallen zuerst die grünen Hügel zur Steilküste hin ab und dahinter liegt das mit kleinen Inseln gesprenkelte Meer unter strahlend blauem Himmel. Das Beste: Die meisten anderen Besucher sparen sich die beschwerlichen letzten Meter bis hier oben und klettern nur soweit, dass sie eine gute Foto-Perspektive auf den Old Man erreicht haben. Wir sind also fast alleine hier oben.

Blick auf den Old Man, die Insel Raasay und die Cuillins im Hintergrund
Aufstieg zum Old Man of Storr
Im Hintergrund ist das schottische Festland zu sehen

Richtung Norden im Schatten des Felsgrats finden wir einen Weg, der zu einer Hügelkuppe ein Stück weiterführt. Hier weiden auch einige Schafe, am Himmel kreisen große Raubvögel und der Lärm der anderen Besucher bleibt komplett hinter uns zurück. Wir treffen zwei Wanderer aus Ludwigsburg, die heute Nacht hier oben campen wollen. Ich bin ein wenig neidisch. Die Hügelkuppe bietet nochmal komplett neue Ausblicke, gerade aus einiger Distanz wirkt die Szenerie noch viel beeindruckender als aus der Nähe. Nach einer guten Stunde machen wir uns dann aber wieder an den Abstieg und auf den Weg zu unseren Fahrrädern. Für die Rückfahrt lassen wir uns Zeit, besonders auf dem letzten Stück nach Portree geht es kontinuierlich bergab und wir lassen uns rollen.

Abendstimmung in Portree

Nachdem wir die Fahrräder abgegeben haben und im Hostel eingecheckt sind kümmern wir uns um unsere Vorräte. Nach dem Fiasko des letzten Einkaufs decken wir uns für die kommenden beiden Tage mehr als reichlich ein, ich bin einigermaßen in Sorge, wie wir diese Mengen an Essen transportieren wollen. Für heute Abend ist aber der Klassiker Fish and Chips vorgesehen. Im Hafen von Portree finden wir einen Stand, der neben Kabeljau auch alle denkbaren Meeresprodukte über Heilbutt bis hin zur Jakobsmuschel frittiert und mit Pommes verkauft. Die Qualität und Frische ist top. Ich kann mich sogar mit der Eigenart, Pommes mit Malzessig zu essen, anfreunden. Wir haben leider die abendliche Kühle unterschätzt und kommen in Shorts und T-Shirt durchgefroren ins Hostel zurück.

Unser Schlafsaal mit 15 Betten füllt sich leider immer mehr (gut, für Samstag ist das nicht überraschend), wir schauen uns noch ein wenig im Ort um und fallen gegen 10 ins Bett, da wir nicht erwarten, heute viel Schlaf zu bekommen.



Portnalong nach Portree: 33 Kilometer
Radtour zum Old Man of Storr und zurück: 25 Kilometer

Michael

Hallo, ich bin Michael. Wenn ich nicht im Alltag mit Statistiken und Zahlen jongliere genieße ich es, die Welt zu erkunden.

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