Portnalong, Talisker Distillery und Carbost

Portnalong, Talisker Distillery und Carbost

Dieser Post ist Teil der Serie Isle of Skye
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Wir wachen nach acht Stunden Nachtruhe entspannt auf, was insofern schade ist, dass ich weiterhin darauf warten muss, mein erstes Polarlicht zu sehen. Dafür steht uns heute ein entspannter Tag ohne Ortswechsel und morgendliches Packen bevor. Dank Christophers unstillbarem Appetit sind unsere Vorräte zwar nicht mehr üppig, reichen aber noch für ein sättigendes Frühstück unter weiterhin strahlend blauem Himmel im Garten des Skyewalker Hostel.

Zu Fuß nach Carbost

Unser Ziel ist heute das Nachbardorf Carbost, das mit der Talisker Distillery die einzige Whiskybrennerei Skyes beherbergt. Da das Wetter unsere kühnsten Erwartungen übertrifft entscheiden wir uns, die gut fünf Kilometer Weg zu Fuß zu absolvieren. Der Weg führt uns von Portnalong aus zuerst zwischen grünen Schafweiden entlang, während im Hintergrund die gezackten Gipfel der Cuillins aufragen. Unsere Versuche, ein ordentliches Foto von einer Gruppe Schafe zu bekommen, scheitern leider kläglich, die Tiere haben einen siebten Sinn, sich im entscheidenden Moment wegzudrehen. Die hiesigen Schafe haben übrigens alle braune Wolle und einen weißen Kopf, der etwas an einen Totenschädel erinnert.

Portnalong
Auf dem Weg nach Carbost haben wir hinter grünen Weiden immer auch die gezackten Spitzen der Cuillins vor uns

Der letzte Teil des Weges führt hoch oben am Hang oberhalb des Loch Harport entlang. Wir beeilen uns nicht sonderlich und lassen lieber die Natur auf uns wirken. Auf dem kompletten Weg begegnen wir maximal fünf Fahrzeugen. Während ich in den ersten Tagen etwas skeptisch auf die überall in den Highlands üblichen Single-Track-Roads geschaut habe, sehe ich langsam ein, dass eine geteilte Spur für beide Richtungen völlig ausreicht. Einerseits kommen ohnehin kaum Fahrzeuge entgegen, andererseits sind die Strecken so unübersichtlich und kurvig, dass man auch auf einer eigenen Fahrspur kaum schneller fahren könnte. Etwa alle 500 Meter gibt es Wartebuchten, sogenannte Passing Places, an denen man entgegenkommenden Verkehr passieren lassen kann.

Völlig neu für mich sind auch die Cattle Grids, die an den Eingängen von Ortschaften und in größeren Abständen auch außerorts zu finden sind. Dabei handelt es sich um in die Fahrbahn eingelassene Gruben, die mit einem Gitter überdeckt sind, so dass Schafe und Rinder, die aus ihren Weiden ausgebrochen sind, sie nicht überqueren können.

Talisker Distillery

Frisch angekommen melden wir uns für die nächste Führung durch die Talisker Distillery an. Die Führung deckt alle Bereiche der Brennerei und der Whisky-Produktion ab, die 8 Pfund Eintritt pro Person sind sehr gut investiert.

Unser Guide Iain erklärt uns die Schritte des Mälzens, der Maische und der Gärung des Whiskys, bevor wir einen Blick auf den eigentlichen Brennprozess und danach in eines der Lagerhäuser werfen dürfen. Zum Abschluss gibt es natürlich auch einen ordentlichen Schluck zur Verkostung. Die Gebäude der Brennerei selbst haben leider nicht den historischen Charme anderer Brennereien, das liegt aber schlicht daran, dass die komplette historische Produktionsstätte im Jahr 1960 in Flammen aufgegangen ist.

Portnalong
Dorfidyll in Carbost. Die rote Telefonzelle darf nicht fehlen.

Wir schauen uns nach der Führung noch ein wenig in Carbost um und können im kleinen Dorfladen unsere Lebensmittelknappheit einigermaßen beheben. Zumindest sollten die neuen Vorräte für den Rest des Tages und ein Frühstück reichen. Im Old Inn finden wir sogar noch eine Möglichkeit für ein verspätetes Mittagessen. Auf der wunderbar am Wasser gelegenen Terrasse gibt es klassisch britische Snackkultur mit Sandwiches. Die Kombination aus viel geriebenem Cheddar und süßem Zwiebel-Chutney hat es definitiv nicht zum letzten Mal gegeben 🙂

Bei dem perfekten Wetter gehen wir den restlichen Nachmittag ganz entspannt an, schauen uns noch etwas in den Hügeln über Carbost um und lassen am Bootssteg einfach nur die Füße ins Wasser baumeln.

Wir stehen vor der Entscheidung, noch einen Abstecher zu Fuß in Richtung Talisker Bay anzuhängen. Dort soll es einen schönen Wasserfall geben, wir entscheiden uns aber dann doch dagegen, unsere Wanderung um die zweimal 5 Meilen zu verlängern. Stattdessen treten wir den Rückweg nach Portnalong an.

Zurück nach Portnalong

Als wir wieder im Hostel ankommen sind wir noch fast alleine und haben auch den Garten für uns. Für den Rest des Tages liegen wir faul in der Sonne, lassen die wenigen Wolken vorbeiziehen und holen uns einen ordentlichen Sonnenbrand :/ Diese Möglichkeit hatten wir beim Packen für die verregnete Insel nicht auf dem Schirm, Sonnenschutz gibt es also frühestens morgen…

Es bleibt das Abendessen im Hostel und ein kleiner Spaziergang an der Küste entlang, dann ist auch dieser Tag vorbei. Nach drei kompletten Tagen in den Highlands bin ich schon vollkommen im Urlaubsmodus. Die Landschaft nimmt mich komplett gefangen und verdrängt völlig die gewohnten Vorzüge der Zivilisation. Da das Wetter weiter blendend ist, bewegt sich auch die Laune auf höchstem Niveau und wir sind gespannt, was die nächsten Tage bringen.

Wanderung von Portnalong nach Carbost und zurück: 11 Kilometer
Michael

Hallo, ich bin Michael. Wenn ich nicht im Alltag mit Statistiken und Zahlen jongliere genieße ich es, die Welt zu erkunden.

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