San Francisco, Golden Gate & Sausalito

Von Michael
Dieser Post ist Teil der Serie 3 Tage in San Francisco
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Unseren dritten und letzten vollen Tag in San Francisco beginnen wir wie den letzten: Beim Frühstück mit Kaffee (deutlich gelungener als der erste Versuch) und Cornflakes unter blauem Himmel im Garten unserer Unterkunft. Wir haben dazugelernt und am Vortag gezielt Vierteldollarstücke gesammelt, da die Fahrer der MUNI kein Geld herausgeben und man somit lieber passend zahlt. Das Phänomen, dass man außerhalb der großen Supermärkte nur sehr ungern Geld wechselt, begleitet uns auch in den folgenden Wochen. Das ist besonders deshalb nervig, da wir zum Beispiel Bargeld für Campingplätze passend brauchen, die Geldautomaten aber nur 20-Dollar-Scheine ausspucken.

Mit dem Rad zur Golden Gate Bridge

Wir sind am Vortag schon die meisten der zu Fuß erreichbaren Ziele im Stadtzentrum abgelaufen und haben uns für heute mit der Golden Gate Bridge die bekannteste Sehenswürdigkeit der Stadt aufgehoben. Per Auto wäre natürlich langweilig, deshalb wollen wir uns Fahrräder leihen und damit über die Brücke und die Marin Headlands nach Sausalito, einem Vorort nördlich von San Francisco fahren.

Gleich vorweg genommen: Der Ausflug war genial und hat sich wirklich gelohnt. Man sollte sich aber zeitig von der Vorstellung verabschieden, dass die Tour ein Geheimtipp wäre.

San Francisco
Räder: Check

Entlang des Embarcadero reihen sich die Verleihstände diverser Fahrradverleihe nahtlos aneinander. Die Preise unterscheiden sich nicht großartig: Man zahlt entweder stundenweise oder für einen kompletten Tag. Wir wollen uns die Option offen halten, nach der Tour noch zum Golden Gate Park und vielleicht zum Strand zu fahren, steuern den erstbesten Verleih an und erstehen für je 32 $ drei gut gängige Räder für den Rest des Tages. Theoretisch müssen wir sie erst gegen 22 Uhr wieder bei einer der Filialen des Anbieters abgeben. Der Angestellte am Verleih (ein Australier) bestätigt uns direkt unsere Vermutung: Das Angebot zieht vor allem bei europäischen Besuchern während sich die meisten Besucher aus den USA nicht von 10 Pferden bewegen lassen würden, freiwillig auf ein Fahrrad zu steigen.

Der gut ausgebaute Fahrradweg zur Brücke führt uns an der nördlichen Hafenfront entlang, teilweise durch Parks und vorbei an Yachthäfen und vornehmen Wohnvierteln. Es ist zwar hügelig, der erste Teil der Tour ist aber abgesehen von den Massen anderer Radler mit der teilweise nur rudimentär ausgeprägten Fähigkeit zur Beherrschung ihres Vehikels sehr entspannt. Wir sind deutlich schneller unterwegs als der Großteil des Felds und genießen die zahlreichen Perspektiven und Ausblicke auf die rostrote Brücke vor uns. Das Wetter meint es außergewöhnlich gut mit uns und wir können die Golden Gate Bridge während der kompletten Zeit in ihrer Gänze vor blauem Himmel bewundern, während sie in den Vortagen oft komplett in tief durchziehenden Wolken und Nebelbänken verschwunden war.

Fort Point & Golden Gate Bridge

Wir passieren Crissy Field, einen ehemaligen Militärflugplatz, das mit einem Dünengürtel, Lagunen, Kiefern und einem schönen Strand wieder in seinen Naturzustand versetzt wurde, und erreichen nach einer unscheinbaren Abzweigung Fort Point, eine ehemalige Festung, die beeindruckend unter den stadtseitigen Bogen der Golden Gate Bridge gezwängt früher den Zugang zur Bucht von San Francisco bewachte. Das Fort steht unter der Obhut des National Park Service, der Eintritt ist frei und die Zahl der übrigen Besucher hält sich in Grenzen.

Wir verbringen die nächste Stunde, die Bunker und Wehrgänge und das kleine Museum zu erkunden. Die Perspektiven von der obersten Ebene des Forts auf die darüber verlaufende Brücke sind faszinierend und wir verbringen nochmal einige Zeit damit, das perfekte Bild der Brücke zu schießen. Wir brechen nach diesem ungeplanten Abstecher wieder auf und bedauern die Massen, die hier jeden Tag unbewusst vorbei radeln.

San Francisco
Von den Bastionen von Fort Point ist der Blick auf die Brücke und das Golden Gate am besten. Der Umweg lohnt sich

Der Hauptzweig des Radwegs führt in einigen steilen Serpentinen auf die Höhe der Brückenzufahrt hinauf, die gut machbar wären, wenn man nicht alle zwei Meter von wirr hin und her pendelnden Radlern, die offensichtlich von der Steigung überfordert sind, ausgebremst würde. Zwei Aussichtspunkte weiter haben wir die Brücke erreicht und sind begeistert: Zwar kennt wirklich jeder die Golden Gate Bridge aus Filmen und Fotos, die gewaltige Konstruktion aber aus nächster Nähe zu sehen ist damit aber nicht zu vergleichen.

Über die fast zwei Kilometer lange Brücke führen sechs Fahrspuren, die je nach Verkehrsaufkommen stadtein- oder -auswärts freigegeben werden können. Über die östliche Seite führt ein Fußweg, während die dem Pazifik zugewandten Seite für Fahrräder reserviert ist. Der Wind hier oben ist extrem stark und wir bekommen einen kleinen Eindruck von den Naturgewalten, denen die Brücke tagtäglich ausgesetzt ist. Am Nordufer angekommen führt der Radweg weiter über viele Hügel in Richtung Sausalito, wo wir 5 Meilen und eine abgesprungene Fahrradkette später ankommen.

Sausalito

Der kleine Urlaubsort hat sich perfekt auf die Massen an Radfahrern eingestellt: Im ganzen Zentrum herrscht ein striktes Parkverbot für Fahrräder, aber zum Glück gibt es gleich zwei Parkzonen, an denen charmante Mitarbeiterinnen bemüht sind, den müden Radler für 3 $ um sein Gefährt zu erleichtern. Die Mägen machen sich bemerkbar und wir entscheiden uns für Copita, ein kleines Restaurant mit Tex-Mex-Küche direkt an der Uferpromenade. Das Essen ist tadellos, wir stellen aber wieder fest, dass Restaurants in den USA ein teures Vergnügen sind, wenn man die lokale Umsatzsteuer und das obligatorische Trinkgeld zum ausgewiesenen Nettopreis dazurechnet.

Ein Blick auf den Fähranleger in Richtung San Francisco nimmt uns die Entscheidung ab, ob wir den Rückweg per Rad oder Fähre antreten wollen. Der Rückweg ist zwar wegen langgezogener Steigungen anstrengender, dafür ist der Radweg in diese Richtung fast Menschenleer 🙂 Wieder auf der Brücke ziehen Wolken über uns und es wird deutlich kühler. Wir gönnen uns noch einen Strandspaziergang am Crissy Field und testen die Temperatur des Pazifik, da es aber schon später Nachmittag ist entscheiden wir uns gegen einen zusätzlichen Abstecher in Richtung Golden Gate Park und geben die Fahrräder wieder am Embarcadero ab.

Feierabend und Fazit zu San Francisco

Es folgen ein kleiner Snack zum Abendessen und in der MUNI eine längere Unterhaltung mit einer Dänischen Familie, die ihren Roadtrip bereits hinter sich hat und uns noch ein paar wertvolle Tipps mit auf den Weg gibt. In unserer Unterkunft wurde heute den Tag über das Fenster ausgetauscht. Obwohl wir davon absolut nichts mitbekommen haben überraschen uns Tex und Chris mit einem Teller riesiger Erdbeeren, für die wir uns herzlich bedanken.

San Francisco
Transamerica Building

Wir packen unsere Koffer soweit wie möglich, da wir am nächsten Morgen der Stadt den Rücken kehren werden. Nach knapp drei Tagen in San Francisco ziehen wir ein positives Fazit: Die Stadt und ihre Bewohner strahlen Offenheit und ein positives Lebensgefühl aus. Um die Hauptsehenswürdigkeiten herum muss man sich aber auf größere Menschenmassen einstellen und die Preise für Essen und Unterkunft im Stadtzentrum fallen entsprechend aus.



Radtour über die Golden Gate Bridge nach Sausalito: 16,5 Meilen / 27 Kilometer

MUNI-Tickets: 6,75 $
Fahrräder: 96,00 $
Fahrrad Valet Parking: 9,00 $
Mittagessen: 80,00 $
Jack in the Box: 12,00 $
Unterkunft (AirBnB): 166,00 $

Michael

Hallo, ich bin Michael. Wenn ich nicht im Alltag mit Statistiken und Zahlen jongliere genieße ich es, die Welt zu erkunden.

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