Highlands im Schnelldurchlauf

Highlands im Schnelldurchlauf

Gleich zum Anfang unserer Tour steht unsere längste Tagesetappe an: Von Glasgow aus geht es nach Norden über Fort William zur Isle of Skye. Dort wollen wir die nächsten vier Tage bleiben. Wir müssen heute zwar knapp 300 km hinter uns bringen, wissen aber, dass die Strecke quer durch das Herz der Highlands führt. Bequem vom Bus aus gesehen nehmen wir das Ganze einfach als einleitenden Film zur eigentlichen Reise.

Unser Bus geht schon um 7:00 Uhr vom Buchanan Bus Terminal, inklusive der drei Kilometer Weg dorthin wollen wir spätestens um 6 Uhr vom Hotel aufbrechen. Das unglaublich zuvorkommende Hotelpersonal macht uns aber beinahe einen Strich durch die Rechnung: Statt dem Frühstücksbuffet, das erst später bereitsteht, wurde uns ein Continental Breakfast versprochen. Nach einigen schlechten Erfahrungen rechnen wir maximal mit ein paar Scheiben trockenem Toast und Marmelade, der Tisch ist aber mehr als üppig gedeckt. Wir brechen deshalb erst mit 15 Minuten Verspätung auf, können gut gestärkt aber auch ein gutes Tempo vorlegen.

Quer durch das Herz der Highlands

Unseren Bus finden wir ohne Probleme, die Rucksäcke wandern in den Gepäckraum und pünktlich um 7 Uhr starten wir Richtung Norden. Die großen Fernbus-Unternehmen Scottish Citylink und Megabus fahren auf langen Strecken mit normalen Reisebussen. Auf den meisten Strecken gibt es WiFi-Zugang, der aber maximal stark genug ist, um Emails abzurufen. Der Komfort in den Bussen lässt aber nichts zu wünschen übrig. Da wir alle Verbindungen weit voraus gebucht hatten sind wir auch extrem günstig unterwegs.

Eilean Donan Castle
Standard in den Highlands: Zweisprachige Straßenschilder in Englisch und Gälisch

Als wir Glasgow nach Nordwesten langsam hinter uns lassen, sehen wir auch die weniger schöne Seite der Stadt. Hier stehen viele Mietskasernen und monotone Reihenhaussiedlungen. Schon kurz hinter Dumbarton verschwindet aber die Zivilisation weitgehend, die Straße wird schmaler und wir fahren entlang des Loch Lomond. Der größte See Schottlands liegt schon eng zwischen steilen Berghängen und ist mit kleinen, bewaldeten Inseln gesprenkelt. Wir kommen auch an vielen Landsitzen und Schlössern vorbei, die das Westufer säumen. Weiter nördlich werden nicht nur der See, sondern auch die Uferstraße immer schmaler und ich mache mir mehr als einmal Sorgen, was passieren würde wenn uns hier hinter einer der vielen Kurven ein anderer Bus entgegenkäme.

Hinter Loch Lomond erreichen wir die wirklich menschenleeren Highlands. Statt Wald dominiert hier zwischen kahlen Gipfeln eine Moor- und Heidelandschaft in dunklen Grün- und Brauntönen, an den Berghängen leuchten immer wieder gelbe Ginsterbüsche. Die nächsten beiden Stunden bis Fort William genießen wir nur den Blick aus dem Fenster auf die vorbeiziehende Landschaft. In Fort William macht der Bus 30 Minuten Pause, danach geht es durch das Great Glen und dann Richtung Nordwesten weiter Richtung Skye.

Zwischenstopp am Eilean Donan Castle

Unser erstes Ziel ist das Eilean Donan Castle, eine der bekanntesten Burgen Schottlands, die auf einer kleinen Insel am Schnittpunkt dreier Sea-Lochs steht.

Eilean Donan Castle
Dürfte dem Ein oder Anderen bekannt vorkommen: Eilean Donan Castle war zum Beispiel in den Filmen Highlander und Braveheart zu sehen 🙂

Die Burg hat eine turbulente Geschichte hinter sich und wurde Anfang des 18. Jahrhunderts von englischen Truppen gesprengt, die den Aufstand der Jakobiten beendet hatten. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts begann John MacRae, ein Einheimischer, mit dem Wiederaufbau der Ruine, der bis 1955 dauerte. Wir nutzen die Gelegenheit, am Besucherzentrum unser Mittagessen nachzuholen. Die Damen an der Rezeption sind gewohnt freundlich und bieten uns an, während der Schlossführung unsere Wanderrucksäcke zu verwahren.

Die Führung durch die Burg lohnt sich, neben den gewaltigen Mauern des Hauptturms kann man die Küche, einen mit einer gedeckten Tafel und Gemälden ausgestatteten Festsaal und im Obergeschoss die Schlafzimmer der MacRae-Familie besichtigen, die das Schloss nach dem Wiederaufbau lange bewohnten. Das wirkliche Highlight ist aber die Lage der Burg inmitten der faszinierenden Landschaft der Lochs und Berge. Bis unser Bus zur Weiterfahrt ankommt vertreiben wir uns die Zeit am Strand.

Endlich am Ziel: Broadford auf der Isle of Skye

Das letzte kurze Stück der Strecke bis Skye führt direkt am Wasser entlang. Hinter Kyle of Lochalsh überquert seit 1995 die Skye Bridge die Meerenge zwischen Festland und Insel und einige Kilometer weiter erreichen wir Broadford, unser heutiges Ziel. Unsere Unterkunft, das Otter Lodge Bed & Breakfast, liegt etwas außerhalb, aber direkt mit Blick auf die Bucht und die vorgelagerten Inseln. Unser Host Martin zeigt uns unsere beiden Zimmer im Erdgeschoss und die große Gästelounge. Zusammen mit seiner Frau Vanessa betreibt er das Bed & Breakfast seit 2012. Gleich zur Begrüßung dürfen wir unsere Wünsche für das Frühstück am kommenden Morgen aus einer großen Auswahl aussuchen, von Martin bekommen wir auch noch eine Menge hilfreiche Tipps für unsere nächsten Tage auf Skye.

Broadford
Unsere erste Unterkunft in den Highlands wäre erreicht

Typisch für Bed & Breakfast-Unterkünfte ist der verglichen mit einem Hotel viel persönlichere Kontakt zu den Gastgebern, die immer gerne ihre Ortskenntnis und ihr Wissen mit den Gästen teilen. Teilweise wird man fast in die Familie aufgenommen. Im Gegenzug sollte man natürlich auch entsprechend Rücksicht üben, da man sich im privaten Wohnhaus der Familie befindet. Die meisten Bed & Breakfasts sind nur im Sommer geöffnet und bieten drei bis vier Zimmer, teilweise mit eigenem, teilweise mit geteiltem Bad und meistens auch einen Aufenthalts- und Frühstücksraum. Um dafür Platz zu schaffen rückt die Familie oft zusammen und räumt zum Beispiel das Erdgeschoss für die Gäste.

Zum Abendessen empfiehlt uns Martin das direkt nebenan liegende Restaurant im Hebridean Hotel. Für Christopher und Nico gibt es je einen Angus Beef Burger, ich versuche mich ohne Umschweife an einer der verrufeneren schottischen Spezialitäten: Haggis mit Neeps’n Tatties, ein mit Innereien gefüllter Schafsmagen mit Kartoffeln und Kohlrüben. Die Kellnerin lobt meinen Mut mit einem “Good Boy!”. Das Haggis ist sehr gut gewürzt und ich bereue meine Wahl nicht. Zum Ende des Tages fehlt noch ein kleiner Verdauungsspaziergang entlang der Bucht, wo wir noch Zeugen eines bildschönen Sonnenuntergangs hinter den Cuillin Hills werden.



Glasgow über Fort William nach Dornie: 268 Kilometer
Dornie nach Broadford/Skye: 26 Kilometer

Michael

Hallo, ich bin Michael. Wenn ich nicht im Alltag mit Statistiken und Zahlen jongliere genieße ich es, die Welt zu erkunden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.