Unterwegs in Glasgow

Unterwegs in Glasgow

Das Beste am Reisen ist ja bekanntlich die Vorfreude. Nach drei Monaten Arbeit an der Masterarbeit habe ich aber irgendwann den Punkt erreicht, an dem es einfach auch mal losgehen könnte. Die letzten beiden Tage vor Aufbruch zittern wir nochmal ein wenig, aber auch Christopher hat seinen Anflug von Sommergrippe zum Glück rechtzeitig überwunden. So können wir am (sehr) frühen Morgen endlich unsere knapp 20 Kilo schweren Wanderrucksäcke schultern und uns auf den Weg zum Flughafen Leipzig/Halle machen.

Als derjenige, der die Planung zum Großteil zu verantworten hat, lastet ein nicht zu verleugnender Druck auf mir. Ich habe mich mit einem Ausdruck unserer ultimativen Excel-Tabelle mit allen Bus- und Fährverbindungen bewaffnet, außerdem drei ordentlich zusammengetackerten Zettelstapeln, die in benötigter Reihenfolge unsere Bustickets, die Busfahrpläne der einzelnen Regionen und die Reservierungsbestätigungen unserer Unterkünfte zusammenhalten. Trotzdem komme ich in meiner Phantasie nicht von dem Bild los, fernab der Zivilisation einem verpassten Bus nachzuwinken, während um mich herum eine Herde Schafe blökt. Wer weiß, dass die Frequenz von Busverbindungen in Schottland locker auch bei einer Verbindung alle zwei Tage liegen kann, versteht meine Sorge vielleicht besser 😉

Flug & Ankunft

Unser Flug in Leipzig startet pünktlich um 08:40 Uhr, nach einem Umstieg in Düsseldorf landen wir kurz vor 12:00 Uhr Ortszeit in Glasgow International. Wir fliegen mit der Lufthansa-Tochter Eurowings, der Komfort ist sehr gut und es gibt trotz der kurzen Strecke sogar ein gutes zweites Frühstück mit Sandwiches oder Nudelsalat. Die Landschaft beim Landeanflug auf Glasgow ist grün und hügelig, aber nicht besonders spektakulär. Das Wetter ist auch noch ausbaufähig, es ist stark bewölkt, aber trocken. Nachdem wir die problemlose Passkontrolle hinter uns haben, steuern wir direkt die Busse in Richtung Innenstadt an.

Glasgow Airport
Frisch gelandet und voller Tatendrang

Wir merken schnell, dass wir bei der Vorbereitung etwas zu gründlich waren: Wir haben eine Verbindung mit Scottish Citylink gebucht, die aber erst eine gute Stunde später fährt. Hätten wir gewusst, dass vom Flughafen Shuttlebusse im 10-Minuten-Takt Richtung Zentrum fahren, wären wir flexibel geblieben. Wir entscheiden uns, zu warten, anstatt unsere Tickets verfallen zu lassen und doppelt zu zahlen. Unser Bus kommt deutlich zu spät, mein mulmiges Gefühl meldet sich und erinnert mich an einige anstehende Busverbindungen, die mit heißer Nadel gestrickt sind, aber nach 25 Minuten Fahrt erreichen wir die Buchanan Bus Station im Zentrum von Glasgow.

Glasgow
Ziemlich herrschaftlich: Unser Zimmer ist in den Farben des Clan Stewart eingerichtet.

Unsere erste Unterkunft ist das Argyll Hotel, ein familiengeführtes Hotel im West End von Glasgow. Der Weg dorthin sieht laut Karte nicht zu weit aus, wir gehen also zu Fuß. Unser Weg führt uns über die Sauchiehall Street, die zunächst als Fußgängerzone, später als von schönen viktorianischen Reihenhäusern gesäumte Straße nach Westen führt. Nach gut drei Kilometern sind wir am Ziel und checken ein. Das Hotel ist in zwei wunderschönen Reihenhäusern untergebracht, direkt nebenan liegt der Kelvingrove Park mit der University of Glasgow. Obwohl wir am nächsten Morgen noch vor der eigentlichen Frühstückszeit aufbrechen müssen bietet man uns an, für uns statt Buffet ein kontinentales Frühstück vorzubereiten. Wir sind begeistert und nehmen gerne an. Auch die Zimmer sind groß und jeweils mit Stoffen und Farben eines schottischen Clans gemütlich ausgestattet. Spätestens jetzt ist definitiv Urlaubsstimmung aufgekommen und wir gönnen uns direkt einen Tee.

Glasgow City Centre

Eine Herausforderung in britischen Städten ist, dass viele Sehenswürdigkeiten, vor allem Kirchen, schon um 17 Uhr schließen. Wir brechen deshalb ohne lange Pause wieder in Richtung Zentrum auf. Wir schauen uns vor allem in der Umgebung der Buchanan Street und des George Square mit den ziemlich pompösen City Chambers – dem Rathaus – um.

Mich überrascht die Stadt sehr positiv, ich hatte nach einigen Erzählungen von Freunden mit einer leicht schäbigen Industriestadt gerechnet. Das Zentrum von Glasgow bietet aber neben klassischen viktorianischen Wohnhäusern und Prachtbauten auch viel moderne Architektur, besonders am Ufer des River Clyde, wo neben dem Scottish Exhibition & Conference Centre das Gürteltier – ein von Norman Foster entworfener Konzertsaal – steht. Die Stadt wirkt auf mich jung, studentisch, modern und offen, trotzdem britisch-elegant mit schottischer Lockerheit. Schwer zu beschreiben, ich bereue aber schon, hier nur einen Nachmittag zur Verfügung zu haben.

St Mungo’s Cathedral & Glasgow Necropolis

Ein Stück östlich der Innenstadt erreichen wir gerade noch rechtzeitig vor Ende der Öffnungszeit die St. Mungo’s Cathedral. Das Innere ist mit seiner beeindruckenden Holzdecke noch fast original mittelalterlich. Die Kathedrale ist tatsächlich die Einzige in Schottland, die die Wirren der Reformation überstand, ohne schwer beschädigt zu werden.

Direkt hinter der Kathedrale liegt auf einem Hügel die Nekropole von Glasgow, ein riesiger Friedhof aus viktorianischer Zeit, der mit seinen Grabmalen und Mausoleen aber kein bisschen düster, eher wie ein öffentlicher Park wirkt. Wir sehen neben Skatern und Läufern sogar eine Familie beim Picknick. Neben zahllosen normalen Grabsteinen haben sich hier verdiente Bürger des 19. Jahrhunderts ein Denkmal gesetzt, einige davon eher kleine Kirchen als Gräber. Vom Stil her ist alles von Byzanz bis zum Barock vertreten, eine echt spannende Mischung. Nach einer ausgiebigen Runde durch die Anlage steuern wir dann langsam aber sicher unser Hotel an.

Feierabend 🙂

Für das Abendessen haben wir uns den benachbarten Pub ausgesucht. Neben hervorragendem Bier (Neben den grandiosen Red Ales schmeckt sogar Guinness hier besser) gibt es Steak Pie und Macaroni and Cheese, die nach gut 13 Kilometern Fußmarsch die Energiereserven wieder auffüllen. Nach einem Verdauungsspaziergang durch den Kelvingrove Park fallen wir dann in die bequemen Betten.

Glasgow
Unser Hotel liegt in einer der Straßen, die mit den für Großbritannien typischen Reihenhäusern gesäumt sind


Leipzig/Halle LEJ über Düsseldorf DUS nach Glasgow International GLA: knapp 4 h
Glasgow Airport zur Buchanan Bus Station in Glasgow: 18 Kilometer

Michael

Hallo, ich bin Michael. Wenn ich nicht im Alltag mit Statistiken und Zahlen jongliere genieße ich es, die Welt zu erkunden.

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