On the road – Tipps für den Straßenverkehr in den USA

Von Michael

Ob es am vielen Platz, der Mentalität oder an etwas komplett anderem liegt: Der Straßenverkehr in den USA ist deutlich entspannter als in Deutschland. Generell fährt man defensiv, hält die Tempolimits ein und tut auch sonst alles, um nicht ins Visier der sehr unangenehmen Highway Patrol zu geraten.

Auch das Fahren selbst ist angenehmer. Die Distanzen sind zugegebenermaßen für deutsche Verhältnisse riesig.  Die Kombination aus kerzengeraden Straßen, wenig Abzweigungen, Automatikschaltung und Tempomat lässt dem Fahrer aber nur die Aufgabe, den Vordermann im Auge zu behalten und alle 30 Meilen eine leichte Kurve zu nehmen.

Die einzig reale Gefahr ist die, am Steuer einzuschlafen. Nachdem ich selbst länger auf Straßen im Westen der USA unterwegs war wirkt die Geschichte vom Wohnmobilfahrer, der bei eingeschaltetem Tempomaten nach hinten geht um sich einen Kaffee zu machen, deutlich glaubhafter 🙂

In den großen Städten wird es zwar unübersichtlicher, aber selbst auf der von uns gefürchteten siebenspurigen I 15 in Las Vegas geht es sehr gesittet zu, solange man nicht im Stau steht.

Straßen, Interstates, Highways und Freeways

Für alle Arten von Straßen in den USA gilt: Sie sind extrem breit. Es ist nicht selten, dass eine kleine Nebenstraße in einem Wohngebiet die Breite einer deutschen Bundesstraße hat. Die genaue Unterscheidung zwischen Interstate, US- und State Highways ist nicht entscheidend und sagt wenig darüber aus, welche Art von Straße man erwarten kann. Der Freeway entspricht am ehesten der deutschen Autobahn, hat aber ein paar Spezialitäten:

Zunächst einmal ist er kreuzungsfrei und hat die typischen Auf- und Abfahrten. In den USA sind diese jedoch nicht durchgehend nummeriert, sondern mit einer Meilenangabe bezeichnet. Wer also an der Ausfahrt 422 (San Francisco Airport) vorbeifährt weiß genau, dass bis zur Ausfahrt 429B (Third Street) noch etwa 7 Meilen zu fahren sind. Eigentlich ein sinnvolles System. Beim Auffahren sollte man auch eine grobe Idee von der örtlichen Geographie mitbringen, da als Richtungsangabe selten eine Stadt angegeben ist, sondern oft nur die Himmelsrichtung, also z.B. US 101 N.

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Auch der fünfspurige Freeway – hier die Interstate 15 in Las Vegas – ist kein echtes Problem

Ungewohnt ist, dass es kein Rechtsfahrgebot wie in Deutschland gibt. Man kann auch jederzeit rechts überholt werden. Häufige Spurwechsel sind nicht gerne gesehen, wenn man doch wechseln muss ist Vorsicht geboten. Außerdem kann man nicht davon ausgehen, dass Abfahrten immer rechts abgehen, immer wieder verwandelt sich auch die linke Fahrspur plötzlich in eine Abfahrt und ehe man sich versieht lässt man den Freeway hinter sich.

Tanken

Grundsatz hier: Erst zahlen, dann Tanken. Davon abgesehen ist alles möglich.

Alle Mietwagen fahren mit Normalbenzin, dass hier als Regular mit einer Oktanzahl von 87 firmiert. Daneben gibt es noch Premium-Kraftstoffe mit höherer Oktanzahl, aber nur selten Diesel.

Die Benzinpreise schwanken je nach Bundesstaat und damit Besteuerung enorm: In California lagen sie meist um 3,60 $/Gallone (also rund 0,84 EUR/l), in Arizona und Utah haben wir auch für 1,92 $/Gallone getankt. Am teuersten war es im Death Valley, wo man die geographische Notlage maximal ausnutzt und uns je Gallone 4,50 $ abgenommen hat.

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Die ganze Auswahl auf einem Bild: Tankstelle, Einbahnstraßenschild und Tempolimit

Gezahlt wird fast nur per Kreditkarte. Manche Tankstellen verlangen die Eingabe des Zip-Codes, der auf deutschen Karten nicht hinterlegt ist. Unsere Erfahrung: Manchmal klappt es ohne Zip-Code, manchmal kann man stattdessen irgendeine fünfstellige Zahl eingeben, manchmal die Karten-Pin. Oft klappt keine der Varianten, dann hat man immer noch die Möglichkeit, die Karte an der Kasse abzugeben, einen Dollarbetrag freigeben zu lassen und dafür dann zu tanken. Oder man versucht es an der nächsten Tankstelle, meistens gruppieren sich drei oder mehr um eine Kreuzung, die Preisspanne kann dabei locker bei 20 Cent liegen.

Beschilderung und Verkehrsregeln

Der Großteil der Verkehrszeichen unterscheidet sich nicht von Europa. Einige bekannte Schilder fehlen aber komplett, z.B. das deutsche Vorfahrtsstraßen-Zeichen. Warnzeichen sind nicht dreieckig, sondern quadratisch und gelb und werden vor jeder noch so harmlosen Kurve gerne zusammen mit Geschwindigkeitsbegrenzungen kombiniert.

Ansonsten fällt auf, dass in den USA wenig mit Piktogrammen, aber umso mehr mit textbasierten Verkehrszeichen gearbeitet werden. Das Schild sagt also freundlicherweise direkt, was zu tun oder zu lassen ist. Damit kommt man sehr gut durch den Verkehrsalltag. Rechtsabbiegen an roten Ampeln ist erlaubt, solange es nicht per Zusatzzeichen ausgeschlossen ist.

Die Regel Rechts vor Links ist nicht komplett unbekannt, wird aber kaum genutzt. Statt unbeschilderter Kreuzungen gibt es entweder eine explizite Vorfahrtsregel, häufiger aber die All-Way-Stop-Regel: An jeder Einfahrt zur Kreuzung steht ein Stoppschild. Wer zuerst an der Kreuzung ankommt, fährt zuerst, anschließend geht es im Uhrzeigersinn reihum. Kommen mehrere Fahrzeuge gleichzeitig an verständigt man sich per Handzeichen. Die Regel klingt zwar kompliziert, verträgt sich aber wunderbar mit dem defensiven Fahrstil der Amerikaner, niemand besteht auf seinem Vorrang, man wird in den seltenen unklaren Fällen meist durchgewunken. Problematischer ist die Umstellung auf Rechts vor Links zurück in Deutschland 😉

Fahrbahnmarkierungen sind gut verständlich: Der rechte Rand der Fahrbahn ist immer weiß markiert, gelb teilt Fahrspuren für verschiedene Richtungen. Doppelt durchgezogene gelbe Linien bedeuten absolutes Überholverbot. Parkverbote und Bushaltestellen werden durch farbige Bordsteine gekennzeichnet.

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Links gelb, rechts weiß. Ist das nicht der Fall ist man wahrscheinlich als Geisterfahrer unterwegs

Speziell erwähnen kann man noch die Carpool-Lanes, auf die eine weiße Raute auf schwarzem Grund hinweist und die nur von Fahrzeugen befahren werden dürfen, in denen die angegebene Mindestzahl von Passagieren sitzt. Hier kommt man im Stau oft ein wenig schneller vorwärts.

Tempolimits und Polizei

Tempolimits gibt es auf allen Straßen, sie unterscheiden sich aber von Bundesstaat zu Bundesstaat. Auf dem Freeway liegen sie meist zwischen 55 und 70 mph, außerorts meist bei 55 mph und innerorts bei 30 mph oder niedriger. Im Bereich von Wohnvierteln und besonders Schulen ist die Geschwindigkeit oft auf nur 15 mph beschränkt. Die Beschränkungen werden so gut wie immer eingehalten, rasen und drängeln kommt kaum vor. Falls man doch mal das Limit ausreizt, taucht meistens wie aus dem Nichts ein Blaulicht im Rückspiegel auf. Falls man erwischt wird sind die Strafen drakonisch.

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Besonders in Nationaparks gelten strenge Tempolimits, auch wegen der Gefahr von Tieren auf der Fahrbahn

Für den Fall, dass man von der Polizei angehalten wird, sollte man sich an ein paar Grundregeln halten: Rechts ranfahren, Motor ausschalten, sitzen bleiben, Fenster öffnen und Hände für den Beamten sichtbar halten. Ansonsten kann es grob zugehen, die Polizei rechnet nicht ohne Grund immer mit der Möglichkeit, es potentiell mit einem verhinderten Cowboy zu tun zu haben.

Navigation

Generell ist es in den USA sehr schwer, sich zu verfahren. Das liegt nicht etwa an einer besseren Beschilderung, sondern schlicht am Fehlen von Straßen, auf die man falsch abbiegen könnte. Fordernd sind eigentlich nur die großen Städte mit einem Gewirr von Über- und Unterführungen, aber auch hier sollte jeder gut zurechtkommen, der Großstadtverkehr in Europa gewohnt ist.

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Auf der siebenspurigen US 101 kann man schon mal die falsche Ausfahrt nehmen. Abgesehen davon fehlen schlicht die Möglichkeiten, sich zu verfahren.

Im Beitrag zur Mietwagenbuchung hatte ich schon angemerkt, dass es sich nicht rechnet, ein Navigationsgerät mit dem Auto zu leihen. Wer privat eines besitzt sollte sichergehen, dass das Kartenmaterial für die USA mit geladen ist. Dann sollte man damit wunderbar zurechtkommen.

Wir haben uns anders beholfen: Wir haben uns über www.sim-auf-reisen.de eine Sim-Karte inklusive 500 MB Datenvolumen gebucht. Noch vor Abflug haben wir auf dem Smartphone das Kartenmaterial für die besuchten Bundesstaaten heruntergeladen und konnten so selbst dann per GPS navigieren, wenn kein Mobilfunknetz in Reichweite war. In drei Wochen gab es aber nur eine Situation, in der wir die Navigation wirklich gebraucht haben.

Zusätzlich haben wir uns über den Routenplaner von Google Maps für jeden Tag eine Übersicht der geplanten Route als PDF erstellt und in einem Cloud-Ordner bei OneDrive gespeichert, so dass wir von unterwegs bei Bedarf darauf zugreifen konnten. Auf die gleiche Weise haben wir auch unsere Buchungsbestätigungen und sonstigen Dokumente für die Reise abgelegt.

Michael

Hallo, ich bin Michael. Wenn ich nicht im Alltag mit Statistiken und Zahlen jongliere genieße ich es, die Welt zu erkunden.

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